Kuala Lumpur

Ankunft

IMG_11497:30. Mehr schlafend als wach trete ich auf den Bahnsteig in Kuala Lumpur. Ich bin überrascht. Gedanklich habe ich damit gerechnet, von Zuständen wie am Balkan empfangen zu werden. Doch hier sieht man keinen Abfall, keine dubiosen Gestalten, keinen verfallenen Bahnhof. Sauber, geordnet, modern – so empfängt mich Kuala Lumpur. In der Bahnhofshalle rieselt eine beruhigende, exotische Musik aus den Lautsprechern; eine Mischung aus nahöstlichen Rhythmen und fernöstlichen Instrumenten. Hier ist der Islam präsent. Aber die Mischung von einer Religion, die man gedanklich in der Wüste verankert, und asiatischen Menschen und Elementen bringt eine bezaubernde Einzigartigkeit mit sich.

IMG_1155Das ganze Land verströmt diese Mischung. Arabische Schriftzüge glänzen neben chinesischen Schriftzeichen von den Gebäuden. Daneben blinkt das goldene McDonalds-Logo und ein Schild weist auf ein Starbucks-Cafe hin. Ein Minarett lugt zwischen den Stahl-Beton-Hochhäusern hervor. Neben dem Bahnhof steht ein buddhistischer Schrein, vor dem ein Mann mit Räucherstäbchen in seinen Händen kniet. Dieses Land scheint ein Schmelztiegel zu sein, in dem allerlei Kulturelemente aus Okzident und Orient miteinander verschmolzen werden. Das Ergebnis ist eine neue, einzigartige Kultur.

Kuala Lumpur oder KL, wie es die Einheimischen nennen, hat gerade einmal 1,5 Millionen Einwohner. Geht man 150 Jahre in der Zeit zurück, findet man Kuala Lumpur als eine frisch gegründete Bergbau-Siedlung mitten im Urwald wieder. Eine Hand voll Zinnsuchender hat hier die Bäume gerodet und KL gegründet. Der Zinnhandel hat die neue Siedlung wachsen und Wohlstand anhäufen lassen.

Ende des 19. Jahrhunderts vereinigten die Briten die kleinen Sultanate auf der Malaysischen Halbinsel zur »Föderation von Malaya« und erklärten Kuala Lumpur kurzerhand als die Hauptstadt davon. Sie gaben der Stadt ein modernes Straßennetz und einige koloniale Prunkbauten. Abgesehen davon gibt es in KL nur die Petronas Towers zu sehen.

Petronas

XnM2348fStqPI8sx.jpg1992. Der Ölkonzern Petronas beschließt ein Markenzeichen auf dem Planeten zu hinterlassen. Nach sechs Jahren Bauzeit ist es soweit: die höchsten Doppeltürme der Welt werden eröffnet. Gefüttert wurden die beiden Türme mit unzählige Büroräumen und zu ihren Füßen liegt ein Einkaufszentrum, das mit zahllosen Edelboutiquen und einem Buchgeschäft gefüllt ist. Einkaufszentren sind der Herzschlag des modernen Südostasiens, in Kuala Lumpur ist es nicht anders.

Wir spazieren durch den tropisch-schwülen Park vor den beiden Türmen. Sitzbänke, urige Bäume, ein Kinderspielplatz und ein künstlicher Teich bieten sich als Fotomöglichkeiten an. Doch es ist zu heiß. Nur ein paar eingefleischte Foto-Touristen posieren vor den beiden Türmen, während die meisten Leute sich träge im Schatten der Bäume zum Einkaufszentrum unter den beiden Türmen hinschleppen. Wir machen ein paar Fotos und begeben uns zum Sammelpunkt für unsere Turmtour.

IMG_1122Bekleidet mit einem Kopftuch und einem Anzug, alles in dunklem Blau gehalten, führt uns die Tourleiterin in den Hochgeschwindigkeits-Aufzug hinein. Sie erklärt uns, dass der erste Stopp die Skybridge ist. Hier können wir Fotos machen und die Aussicht über die Stadt genießen. Die Brücke ist über zwei bewegliche Elemente verbunden, da sich die Türme einige Zentimeter zu den Seiten neigen können. Plötzlich fühlt man im Kopf, wie sich die Türme bewegen. Schwankend treten wir auf die Skybridge hinaus.

Nachdem die Besuchergruppe die ganze Stadt mehrfach in ihren Smartphones eingefangen hat, geht es hinauf in das Aussichtsdeck. Mehr Fotos werden gemacht. Nach 15 Minuten kommt die nächste Gruppe und unsere Leiterin treibt uns wieder in den Aufzug hinein und jagt uns die 86 Stockwerke hinab. Im Aufzug herrscht betretenes Schweigen. Egal wie oft man es gesehen hat, irgendwie beeindruckt es jedes mal aufs neue, wenn Menschen große Visionen durch das nötige Kleingeld zur Realität werden lassen.

Singapur – Züge und Inder

Die britische Preisverwirrung

Screenshot from 2014-04-06 20:31:44Heute ist der letzte Tag in Singapur. Um 23:30 geht es mit dem Nachtzug weiter nach Kuala Lumpur. Diese alte Kolonialstrecke hat ein absurdes Verrechnungssystem. Das Ticket zwischen Kuala Lumpur und Singapur kostet immer denselben numerischen Betrag: 34. Allerdings bezahlt man den Betrag je nach Richtung, die man fährt, in Singapur-Dollar oder in malaiischen Ringgit. So kostet die Fahrt von KL nach Singapur knappe €7, während man für dieselbe Strecke in die umgekehrte Richtung €18 bezahlen darf. Wählt man erste Klasse statt zweiter oder sogar einen Liegewagen, dann fällt der Preisunterschied noch größer aus.

Scheinbar wurde in der Kolonialzeit der numerische Fixpreis zwischen den beiden britischen Kolonien vereinbart. Warum es heute noch so gehandhabt wird scheint nur Briten einsichtig zu sein, und das erst nach drei Gin-Tonic.

Doch es gibt einen Trick, sagt eine Internetseite. Man bucht einfach ein Ticket von JB Sentral – das ist der erste Bahnhof in Malaysia – nach Kuala Lumpur. Dafür bezahlt man den Preis in Ringgit. Ein zweites Ticket sorgt für die fünfminütige Fahrt von Singapur nach JB Sentral, welches man in Singapur-Dollar bezahlt.

Die Idee gefällt mir. So buche ich online mein Ticket von JB Sentral nach Kuala Lumpur. Als ich das zweite Ticket kaufen will, meldet das Computersystem, dass kein Platz mehr frei sei. Das kann nicht stimmen. Aber Computersysteme lassen so schlecht mit sich verhandeln. So bleibt mir nichts anderes übrig als zum Bahnhof zu fahren und dort ein Ticket zu kaufen. Leider haben die Singapurianer 2011 beschlossen, dass ein Bahnhof in der Innenstadt im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgenössisch sei. Daher wurde der Bahnhof aufgelassen und man darf am anderen Ende der Insel, direkt an der Grenze zwischen Malaysia und Singapur, bei einer kleinen Haltestelle in den Zug einsteigen. Genau das ist der Ort, wo ich hinfahren darf um zu prüfen ob es ein noch Ticket für den Zug gibt.

Drei MRT-Linien, einem langen Fußmarsch und 50 Minuten später komme ich am Schalter an. Der lächelnde Bahnbeamte sagt, dass es natürlich noch einen Platz im Zug gibt und drückt mir das Ticket dazu in die Hand. S$11 nimmt er dafür. Das sind umgerechnet €6,50. Da der Zug erst in einigen Stunden abfährt, geht es per MRT wieder zurück in die Stadt.

Während ich so fahre und rechne, merke ich, dass ich mir knappe €0,50 gespart habe, wenn ich die Kosten für die extra MRT-Tickets abziehe. Dabei will ich noch gar nicht daran denken, die dreieinhalb Extrastunden in Geld umzurechnen… Soviel zu den Tipps und Tricks die man oftmals bekommt.

Little India

dKk1atnTM5HyR2A4.jpgMein Reiseführer sagt mir, dass man in Singapur unbedingt „Little India“ sehen sollte. Also fahre ich dorthin. Die Luft ist von Curryduft durchdrungen. Überall stehen Männer in Gruppen herum. Frauen sieht man keine. Nur die immergleichen Männer, die alle ähnlich aussehen: dunkle Haut, schwarzer Oberlippenbart, Doppelkinn und einen Bauch, der unnatürlich hervorragt; dazu kommt noch jeweils ein gestreiftes Hemd und eine dunkle Hose. Alle sehen ähnlich aus, wie von einer Fabrik ausgespuckt.

Ich wandere vorbei und frage mich, was sie wohl hier machen, denn sie stehen einfach nur herum. Es scheint als würden sie auf etwas warten. Aber auf was?

Es gibt einen Tempel, der sehr sehenswert sei. Ich pilgere dorthin. Leider ist der Tempel gesperrt und wird umgebaut. Vielleicht weißeln sie ihn neu, oder stellen moderne Statuen hinein. Wer weiß; Inder sind immer für eine Überraschung gut. Jedenfalls wurde für die Zwischenzeit ein „Ersatz-Tempel“ in einer Wellblechhütte eingerichtet. In diese Baubaracke pilgern die barfüßigen Inder hinein, legen ihre Opfergaben ab und kommen durch eine Seitentür wieder heraus. Es hat den Anschein von Fast-Food-Spiritualität.

Aj0aYKApBxhimOEv.jpgIch wundere mich über das Konzept. Entweder glaubt eine Religion an heilige Orte, dann kann kein Ersatz für einen Tempel gemacht werden; oder sie glaubt, dass Spiritualität überall gefunden werden kann, dann muss kein Ersatz für den Tempel gemacht werden. Doch da fällt mir ein, wie westlich ich gerade denke.

Ein Professor für indische Philosophie hat mir einmal erklärt, dass es im Hinduismus darum gehe, das Götterbild zu „sehen“ und umgekehrt vom Bild „gesehen“ zu werden. Das würde irgendwie Sinn ergeben und erklären, warum eine Wellblechbude, mit den Schaubildern denselben Zweck erfüllt, wie ein altehrwürdiger Tempel.

Mit solchen Gedanken im Kopf geht mein Weg zu einem Bücher-Outlet um mich für die Zugfahrt mit geistiger Nahrung einzudecken.

Singapur – Regen und Park

Regen

Ich verstehe warum man zu den tropischen Wäldern auch Regenwald sagt. Hier in den Tropen bekommt der Regen eine neue Dimension. Die Tropfen sind keine einzelnen Kugeln, sondern sie gleichen Fäden die vom Himmel hängen. Alles im Freien ist nass. Die Tropfen trommeln auf den Boden, auf das Dach, an die Fenster. Obwohl ich im 5. Stock schlafe und noch zwei Etagen über mir sind, hört man die Trommelschläge der Tropfen. Ich drehe mich um und schlafe weiter.
Gegen Mittag weicht der schwere Regen einem leichteren Nieseln. Ich wage mich außer Haus. Die Straßen dampfen. Der Regen kühlt zwar alles ein bisschen ab, aber die Tropfen fühlen sich immer noch warm auf der Haut an. Hier hilft kein Regenschutz. Besser ist dünne Leinenkleidung die schnell trocknet.
Singapur ist für den Regen ausgebaut. Ich winde mich wie eine Schlange durch die Stadt, wobei ich immer unter Arkaden wandern kann und nur zum Queren der Straße kurz dem Regen ausgesetzt bin. Das Wetter lädt nicht zum Spazieren ein. So mache ich es mir in einem Kaffeehaus mit meinem Buch gemütlich. Ich pendle zwischen Food-Court, Kaffehaus und Buchgeschäft umher, bis es fast 17:00 ist und der Regen aufgehört hat.

Garden by the Bay

xITqAifzDWej3oOT.jpgHinter dem gewaltigen Marina Bay Bau, gibt es eine Parkanlage, die noch gewaltiger ist: die Gardens by the Bay. Hier möchte ich hin. Architekten haben eine riesige Grünfläche entworfen. Tropenhäuser wurden aufgestellt, Wasserfälle geschaffen, Gärten angelegt. Ich schlendere durch die verschiedenen Themengärten: indischer Garten, chinesischer Garten, Kolonial-Garten… Während ich durch diese grüne Welt spaziere, kommt langsam die Sonne hervor und die tropische Schwüle klebt mir das Hemd immer mehr an den Körper.
Ich liebe Gärten. Einfach nur zu wandeln und zu schauen, hat etwas Meditatives, Befreiendes an sich. Schließlich finde ich eine Bank an einem Teich und gebe mich meiner Lektüre und dem Beobachten der Spaziergänger hin.

Marina Bay Sands

FVL8sOA4gpn32Yku.jpgMan kann nicht in Singapur gewesen sein ohne die Marina Bay Sands näher zu studieren. Diese gewaltige Luxusarchitektur kann leicht mit Dubai oder Las Vegas mithalten. Auf einer künstlichen Insel, die die Bucht verlängert, wurden diese drei Hochhäuser aufgerichtet. In den Hochhäusern wurde aller nur erdenkliche Luxus gestopft: Casinos, Theater, 5-Sterne Hotels, Haubenrestaurants. Sogar ein Museum und ein Eislaufplatz fanden neben den teuren Luxus-Boutiquen noch Platz.
Das Besondere ist der Ausblick auf die Skyline von Singapure. Doch diesen Ausblick muss man sich erst erkaufen. Aber ich habe einen Tipp bekommen: Man vermeidet die teure, touristische Aussichtsplattform, indem man einfach in die Hotelbar etwas trinken geht. Das ist nicht nur billiger sondern auch gemütlicher.
Doch das Glück ist heute nicht mit mir. Die Security lässt mich nicht in die Bar, da ich nicht passend gekleidet bin. Weißes Hemd, lange Hose genügen hier nicht. Es müssen auch die passenden Halbschuhe dazu sein.
So ende ich bei den Arsenal-T-Shirt Briten und den Indern auf der Besucherplattform und trinke statt einem Glas Rotwein ein Bitter-Lemon und schlinge einen Hot-Dog herunter, während im Hintergrund, eine Etage höher die Schönen und Reichen den Abend in der Bar zelebrieren. Irgendwie erinnert mich das an die Titanic, besonders da die Plattform die Form eines Schiffes hat.
Aber die „zweite Klasse“ bietet ihre eingenen Besonderheiten. So kann ich ein „Selfie“-Foto vor einem Mann machen, der gerade ein „Selfie“ knipst. Außerdem lichte ich ein verwirrtes Pärchen aus dem Hotel ab, das im Morgenmantel über die Plattform marschiert; zwei Absurditäten, die in der Liga der Reichen und Schönen wahrscheinlich nicht zu finden wären.
Gesättigt und verwirrt von dem ganzen Rummel und den Klassenschichten, begebe ich mich wieder die Türme hinab und marschiere durch die warme, tropische, von klassischer Musik geschwängerte Luft zurück zu meiner Kapsel.

Singapur – Die Spuren der Briten

Von Kirchen, Museen, Hotels, Coktails und Essen.

St. Andrews

jRMIJe59wvYQEv8h.jpgIch betrete das Gelände um die Kirche herum und lese die Hinweise auf einer Schautafel. Unerwartet höre ich einen freundlichen Gruß von der Seite. Ich blicke mich um und sehe eine kleine chinesische Dame. Die grauen Haare sind in makellosem Schwarz gefärbt. Das Makeup im Gesicht sitzt perfekt, Rouge, Lippenstift, Wimperntusche. Auch die Kleidung ist makellos. Gedanklich frage ich mich, wie lange sie jeden Morgen wohl zubringen muss bevor sie außer Haus gehen kann.

Ein gerahmtes Namensschild an der Brust, weist sie als freiwillige Mitarbeiterin der Kirche aus. Und dieser Tätigkeit kommt sie auch nach. Sie führt mich durch das Gebäude und erzählt mir alle Details – von der Kirche und von ihrem Leben. Sie stammt von Chinesen und Portugiesen ab, hat die Bombardierung von Singapur und die Eroberung durch die Japaner miterlebt. Sie ist zum Anglikanismus konvertiert, wurde von ihrer buddhistischen Familie raus geworfen. Jahre später sind sie dann alle konvertiert.

Am meisten beeindruckt sie jedoch die weiße Farbe der Kirche, die auch Madras Chunam genannt wird. Die Farbe ist eine Mischung aus Eierschalen, Eiweiß und Zucker. Gemeinsam mit Kokosfasern wird diese Mischung gekocht und auf die Wände gepinselt. Die Farbe gibt den Wänden solch einen dicken Panzer, dass man nicht einmal einen Nagel durch diese Farbe schlagen kann. Sie fragt sich immer wieder, wie viele Eier dafür verbraucht wurden und ich frage mich, wer auf so eine Idee kommt.

Essen

IhUD2AY2QNyzEfev.jpgSingapur ist teuer. Daher isst man am besten in einem der Food-Courts, das sind Plätze, die sich am ehesten mit einem Selbstbedienungsrestaurant vergleichen lassen. Hier merkt man den chinesischen Einfluss der Stadt. Die Gerichte haben Namen wie „Buddha fliegt über die Mauer“ oder „Lotos Dim Sum„. Die Bilder zu den Speisen geben genau so viel Aufschluss wie die Namen. Man kann schwer sagen, ob es Fleisch, Gemüse oder Beeren sind, was man da sieht. Aber meistens sind die Namen der Zutaten gar nicht zu übersetzen, da wir keine deutsche Bezeichnung für diese Dinge haben.

Das Essen das ich bekomme ist eine Mischung aus Nudeln, Gemüse und Hühnerfleisch, die mit Suppe in einer Alufolie eingeschlagen und auf einer heißen Eisenplatte gekocht wird. Der zweite Gang sind zwei weiche, pampige Knödel mit einer undefinierbaren, süßen Füllung. Aber irgendwie reicht es dann doch um den Magen zu füllen und mich für die Museumstour fit zu machen.

Raffles

g0gYgkoDw7mn2VR7.jpgAm Abend steht ein Pflichttermin für jeden Singapur-Reisenden auf dem Plan: das Raffles. Zuerst habe ich nicht verstanden, warum jeder Reiseführer und jede Internetseite davon berichtet, bis ich es selbst gesehen habe. Das Raffles ist der materialisierte Traum eines jeden nostalgischen Abenteurers und Tropenreisenden. Ein viktorianischer Prunkbau in einem tropischen Garten. Rauchersalons, Billardzimmer, Palmen, Springbrunnen, Marmortreppen, Goldluster, sowie ein Inder im Turban und dutzende malaiische Bedienstete im Anzug machen das Bild vollkommen; zumindest wenn man das Raffels von der richtigen Seite aus betritt. Am anderen Ende mussten die Rauchersalons Rolex und Tiffany-Boutiqen weichen. Und die Marmortreppe wurde durch eine Rolltreppe ersetzt.

dttJzXMrdDEytc7H.jpgDoch im ersten Stock wartet das wahre Herzstück des Hotels: die Longbar. Eine Bar aus vergangenen Zeiten: braunes Tropenholz, Deckenfächer, Klaviermusik und Barkeeper in Hemd und Weste die Cocktails mischen. Das ist der Ort, wo man seinen Singapore-Sling trinkt. Während man an seinem Cocktail nippt, rechnet man jederzeit damit, dass ein Brite mit grauem Backenbart, Tropenhelm, Tropenstiefeln und khakifarbenen Kleidern den Raum betritt und einen Gin-Tonic bestellt. Doch die Briten an der Bar sehen anders aus. Sie tragen Arsenal T-Shirts, Shorts in Tarnfarbe und weiße Socken zu ihren Sandalen. Daneben sitzen rudelweise Japaner, die Fotos mir ihren iPhones machen und gleich im Internet posten.

Das einzige was an diesem Ort gleich geblieben ist, sind die Erdnüsse, die man aus Säcken nimmt, schält und die Schale auf den Boden wirft. Nüsse knackend und Cocktail schlürfend habe ich jedoch hier den richtigen Ort gefunden um mein Notizbuch mit den heutigen Eindrücken zu füllen.

Singapur — Weltenwechsel

60 Minuten. Niemand wird mir das glauben, denke ich mir. Ich schaue nochmals auf die Uhr um mich zu vergewissern. Tatsächlich, 60 Minuten. 60 Minuten, die verstrichen sind, zwischen dem Abschließen meiner Wohnungstüre und dem herausnehmen meines Buches am Gate. So schnell war ich noch nie am Flughafen. Ich steige ein. Der Flug Richtung Süden geht los.

Weltenwechsel

53X7Kyopo2XoElbl.jpgSingapur ist anders; suber, geordnet, teuer. Der Grenzbeamte sichtet und stempelt meinen Reisepass in Rekordzeit. Gleich dahinter wartet ein Touchscreen auf dem ich ein Smiley anklicken soll, das zeigt wie zufrieden ich mit der Passkontrolle war. Das nenne ich Kundenorientierung.
Mit der Schnellbahn geht es in die Stadt. Alles ist in perfektem Englisch ausgeschildert. In der Schnellbahn weisen Anzeigen darauf hin, wo man ist, wo der nächste Halt ist, wo man Aussteigen muss. Der Bahnsteig wird durch Glasscheiben von den Geleisen abgetrennt. Nur wenn ein Zug eingefahren ist, öffnen sich Sicherheitstüren in den Glasscheiben.
An der Haltestelle zeigt eine durchdachte Karte alle Ausgänge und ein Buchstabenleitsystem führt zum gewünschten, sauberen, freundlichen Ausgang.
Wenn ich daran denke, dass ich gestern die Ratten in dem Mülleimer vor meiner Wohnung gezählt habe und von einem zahnlosen alten Motorradtaxifahrer im Slalom durch die gestauten, stinkenden Autos gefahren wurde, komme ich mir hier wie in einer anderen Welt vor.

Financial District

pM1AjWL4iiOlldAQ.jpgNachdem ich meine Tasche in meinem Kapsel-Hotel verstaut habe, mache ich das, was ich immer in einer neuen Stadt mache – flanieren.
Ein paar gut beschilderte Straßen führen mich in eine neue Welt. Saubere Bistros, Salatbars und Kaffeehäuser säumen den Weg. Die Häuser um mich herum legen von Schritt zu Schritt an mindestens zehn Stockwerken zu. Ehe ich mich versehe stehe ich mitten im Finanzdistrikt.
Ich bin weit gereist, aber diese Wolkenkratzer versetzen mich in ein Gefühl, wie es ein Nomade aus der Kalahari-Wüste haben muss, wenn er sieht wie wir Österreicher mit Trinkwasser duschen. Die Pracht der Gebäude, der saubere Glanz, die ausgefeilte Architektur, einfach alles lässt Manhattan wie ein kleines, schmuddeliges Dorf wirken.

Luxus

9r36ab0dcyMvVllx.jpgIch schlendere weiter die Straßen entlang, bis ich zum Yachthafen — Marina Bay — komme. Restaurants schmücken die Promenade. Doch ein Blick auf die Preise in der Speisekarte genügt um mich erstarren zu lassen und mich mit dem Stempel „Armer Student“ zu versehen. Doch ich genieße die Aussicht und das Flair.
Auf der anderen Seite der Bucht erhebt sich „Marina Bay Sands“, eine Konstruktion der Extraklasse. Drei Hochhäuser, die mit einer Konstruktion in Form eines Schiffes abgeschlossen und verbunden werden. Das Krönungsstück dieser Plattform ist der Infinity-Pool — ein Schwimmbecken, das scheinbar mit dem Himmel verschmilzt — den man nur als Hotelgast betreten darf.
Hungrig mache ich mich auf die Suche nach einem Restaurant, das ich mir leisten kann. Ich werde fündig, ein nettes erschwingliches Restaurant am Fluss. Hier kostet mich das kleine Bier nur €6,50.
Nach dem Mahl mache ich mich auf zum höchsten Gebäude der Stadt und zur — wie sie behaupten — höchsten, komplett offenen Skybar der Welt.
Die Dame am beschilderten, geordneten Eingang Knöpft mir S$30 für den Eintritt ab, dafür bekomme ich einen Singapore-Sling, im Plastikbecher. Aber die Aussicht ist es wert. Hier stehe ich, beobachte die Stadt, beobachte die Geschäftsleute die herbeikommen um hier um 8:00 ihr Feierabendbier zu trinken, beobachte das Dienstpersonal, das mich Beobachtet, weil ich seit über einer Stunde an meinem Cocktail schlürfe und kein weiteres Getränk bei ihnen bestellen will.
Gemeinsam mit einem Trupp Japaner, die auf Englisch irgendwelche Preise diskutieren, fahre ich später im Aufzug wieder hinab auf die Straße und flaniere in der tropisch-warmen Dunkelheit, zwischen Jogger und Spaziergänger, den Fluss entlang zu meiner Kapsel im Hotel.

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Korea Day 3 – Seoul, Bongeunsa Tempel, U-Bahn-Fallen

Das Fieber knüppelt mich am morgen wieder nieder. Ich nehme mir einen Tag Auszeit von der Gruppe. Steve und Boom, schließen sich mir an.

Nach einem langen Schlaf war ich am Nachmittag dann halbwegs fit um eine Sehenswürdigkeit zu besuchen: Bongeunsa Tempel

Bongeunsa Tempel

HolzhausMitten in Seoul, umringt von Hochhäusern, gibt es einen alten Tempel. Man tritt von einer Welt in eine andere ein. Kleine Holzhäuser in zierlich gehegten Gärten. Alte koreanische Damen wuseln herum und legen Opfergaben und Blumen vor die Statuen. Mönche wandeln durch die Gärten, doch sie sehen anders aus als in Thailand. Das kalte Wetter wirkt sich auf ihre Kleidung aus. Statt einer safrangelben Robe tragen sie wattierte blaue Kleider. Ihre Füße sind mit dicken Socken und Sandalen mit hoher Sohle beschuht. Doch der kahl rasierte Schädel bleibt derselbe.

Nach ein paar Fotos drängt mich das Fieber wieder heim.

U-Bahn-Fallen

SchnappfalleUm die Heimreise schneller zu gestalten, geht es zur nächsten U-Bahn-Station. Ein Ticket wird gekauft. Doch die Sicherheitsschranken irritieren mich. Es gibt keine. Nur die Scanner für die Tickets sind aufzufinden. Ein Versuch ohne das Ticket zu entwerten die Schranken zu passieren, zeigt wie die koreanische Überwachung funktioniert. Kaum habe ich den Lichtsensor passiert, schnellt vor mir eine Barriere aus den Seitenwänden, die mir fast die Schienbeine bricht. Korea scheint anders zu sein. Hier werden keine Schranken geöffnet, wenn man erlaubt ist zu passieren, im Gegenteil, hier werden beinharte Barrieren blitzschnell ausgefahren um die unerwünschten Personen auszufiltern. Seither habe ich immer Angst, wenn ich eine koreanische U-Bahn-Station betrete. Wer weiß, ob mein Ticket richtig gescannt wurde und ich die U-Bahn betreten darf, oder ob ich mit einem gebrochenen Schienbein in ein Krankenhaus eingeliefert werde.

Korea Tag 2 – Nami, Outlet und Samsung

6:00. Das Telefon läutet. Verschlafen drehe ich mich zur Seite und nehme den Hörer ab. Niemand meldet sich. Da fällt mir ein, dass es unser Weckruf ist. Die thailändische Reiseleitung hat an alles gedacht. Fast an alles. Sechs Uhr ist eindeutig zu früh, wenn das Frühstück um sieben startet und der Bus um acht Uhr abfahren soll, zumindest zu früh für mich. Wahrscheinlich ist die Zeit an die Makeup-Auftragedauer der Thaidamen angepasst. Ich stelle meinen Wecker auf 6:45, drehe mich um und schlafe weiter.

Punkt acht Uhr sitzen wir vollständig versammelt im Reisebus; bis auf Rainer, unserem deutschen Kollegen, der sonst immer pünktlich auf die Minute erscheint. Diesmal ist er acht Minuten zu spät. Die acht Minuten werden uns den ganzen Tag lang nachhängen, zumindest in unseren Scherzen.

Nami Island

BrückeDer erste Stopp für heute ist Nami Island: eine Insel die im Frühjahr oder Sommer sicher eine nette Gelegenheit für Spaziergänge bietet.

Frierend warten wir am Festland auf das Boot, das uns zur Insel bringen sollte. Als wir ankommen, teilt uns die Reiseleitung mit, dass wir gute eineinhalb Stunden zur Verfügung haben um die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Kaum hat die Reiseleitung den Startschuss gegeben, ziehen die Thaistudenten ihre Kameras und Smartphones heraus und beginnen lächelnde Gruppenfotos zu machen. Scheinbar hat jeder das perfekte Lächeln einstudiert. So kommt es, dass die Fotos immer ähnlich aussehen. Die lächelnden Fotoobjekte bleiben immer dasselbe, nur der Hintergrund ändert sich.

EXKURS: Was ist der am meisten fotografierte Ort der Welt? Nein, nicht der Eiffelturm oder der Vatikan. Sondern: Siam Paragon, ein Einkaufszentrum in Bangkok. Seitdem es Smartphones mit Kameras und die Idee des „Selfie“ gibt, wurden hier mehr Fotos von lächelnden Thai geknips als vor allen anderen, richtigen Sehenswürdigkeiten.

Clash of TemperaturesSteve, Boom und Ich sondern uns von der Fotogruppe ab. Wir möchten ein bisschen mehr von der Insel sehen als die 50m Umkreis vom Ort, wo unsere Reiseleiterin uns wieder treffen wird, denn die meisten Foto-Thai begeben sich nicht weiter davon weg. Warum auch, für sie ist mehr der lächelnde Foto-Vordergrund wichtig, als die unbedeutenden Dinge im Hintergrund.

Wir umrunden die halbe Insel. Es geht über einen gefrorenen Schlammpfad zum Strand hinab. Eine wackelige Holzbrücke führt uns ein Stück über das Wasser. Kleine Trampelpfade leiten uns durch die winterliche Umgebung. Im Frühling, Sommer oder sogar Herbst, scheint Nami einen netten Ort für Familienausflüge zu bieten. Im Winter wirkt Nami trostlos.

Auf Nami werden zur Zeit Kinderbücher aus aller Welt ausgestellt. Wir finden eine Tafel mit einem Kinderbuch aus Österreich und eine andere Schautafel mit einem Kinderbuch aus den USA. Als wir die Tafel aus Thailand finden, läuft Boom lachend hin und sagt zu Steve und mir, wir sollen raten über was das thailändische Kinderbuch schreibt. Steve sagt sofort: „Über den König“. Booms lächeln schwindet ein bisschen. Sie sagt: „Nein, über die Affen!“ Darauf Steve: „Ich wette darin geht es um den Affenkönig. Der Affenkönig kontrolliert alles und niemand darf etwas Schlechtes über ihn sagen.“ Die Aussage lässt Booms lächeln komplett ersticken, während ich versuchen muss mein Lachen zu ersticken. Steve hat mit seinem trockenen, amerikanischen Humor einen Tabu-Nerv der Thaikultur erwischt.

Wir pilgern wieder zurück zu den Anderen und fahren mit dem Boot an das Festland zu unserem Reisebus zurück.

Outlet

Am Nachmittag steht ein Besuch in einem Outlet auf dem Plan. Die Erinnerungen an italienische Busreisen werden wieder wacht. Das Outlet ist wie jedes Outlet; unzählige kleine Geschäfte mit Markenwaren, die um 70 % verbilligt sind und immer noch ein Vermögen kosten. Zusätzlich gibt es ein Starbucks-Cafe am Areal, das jedoch nicht beheizt ist und kein W-Lan zur Verfügung stellt. Man soll ja schließlich nicht im Cafe sondern in den Geschäften seine Zeit verbringen und dort sein Geld hinterlassen. Steve, Boom und ich trinken einen Kaffee und kaufen nichts. Die anderen Mitglieder unserer Gruppe dagegen kommen mit unzähligen Einkaufstaschen zurück zum Bus und teilen lächelnd miteinander die Freude über die erworbene Beute. Ich verstehe den Konsumerismus nicht, dafür verstehen sie mich und meinen Minimalismus auch nicht.

Samsung-Store

AppleEin letzter Stopp für den Tag bietet Samsung D-Light. Der Name klingt vielversprechend. Doch es stellt sich heraus, dass es sich um ein Samsung-Werbemuseum gekoppelt mit einem Samsung-Store handelt. Ähnlich dem Apple-Store in der 5th-Avenue in New York.

Während wir durch die Ausstellungsräume wandeln, die mit Flatscreens und diversen Bewegungs- und Berührungssensoren ausgestattet sind, muss ich an die Nordkoreaner denken, die nur ein paar Kilometer nördlich leben und noch nie in ihrem Leben ein Mobiltelefon gesehen haben.

Neugierig betrete ich eine kleine Kammer. Währenddessen ich mich umblicke, schließt sich die Türe hinter mir und der komplette Raum wird von einer Videovorführung erhellt. Die Decke, der Boden, die Wände – alles besteht aus Flachbildschirmen, die einen Film zeigen. Der Propagandafilm hat keinen Inhalt. Er zeigt nur wie super und genial Samsung ist. Ich frage mich ob es nicht fast schon obszön von mir ist, dass ich nicht in Tränen ausbreche und mich über die große Ehre freue, hier in den heiligen Hallen dieser Firma zu sein? Ich komme zu dem Schluss, dass es nicht obszön, sondern vernünftig ist.

Steve und Boom haben mich inzwischen gesucht, da mich der Raum unmerklich geschluckt hat. Gemeinsam sehen wir uns den nächsten Raum an, ein Samsung-Wohnzimmer. Samsung Fernseher, Samsung Surround-System, Samsung Tabletts und Samsung Smartphones, alles ist sauber angeordnet. Ich nehme ein Samsung Smartphone von seinem Platz, lege auf dem Boden und platziere mein iPhone auf den Platz den das Samsung Smartphone einnehmen sollte. Schnell machen wir ein paar Bilder, während sich die Angst breit macht, jederzeit von einer Samsung-Polizei aufgegriffen und in ein ideologisches Umerziehungslager gesteckt zu werden. Doch die Ideologie-Polizei verschont uns und wir gesellen uns wieder zu den anderen Gruppenmitgliedern am Ausgang dazu.

Spezial-ToiletteAbgesehen von der überemotionalen Vermarktung ist es beeindruckend, welche Technologien im letzten Jahrzehnt entwickelt wurden. Besonders der beheizte Toilettensitz beeindruckt mich, da ich so etwas noch nie gesehen habe. Und die vielen Knöpfe an seiner Seite mit koreanischer Beschriftung flößen mir Ehrfurcht ein. Ich würde nie wagen einen davon zu betätigen. Vielleicht ist es ja der automatische Tampon-Entferner-Knopf…

Während ich noch darüber nachdenke, was wohl in zehn Jahren die Technik – hierbei insbesondere die Toiletten-Technologie – bieten wird, diskutieren und vergleichen die anderen Studenten ihre Beute, die sie im Samsung-Store erworben haben.

Korea Tag 1 – KIA, Kimchi und Klimaanlage

Die Glastüren öffnen sich automatisch. Wir treten in das Freie hinaus. Überall sieht man große, bleiche Asiaten im Anzug und Mantel herumhuschen. Incheon-Airport. Wenn man spricht bildet der Atem Wolken vor dem Mund. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mich jemals über ein kaltes Land freuen werde. Aber die frische, kühle Luft ist eine unbeschreibliche Wohltat, nach zwei Monaten tropischer Schwüle.

Schlafen oder nicht schlafen, das ist hier die Frage

Graf DrakulaUnsere fleißigen thailändischen Reiseführer treiben uns zum Bus. Die ganze Truppe leidet noch unter dem Schlafmangel, den ein Nachtflug inklusive Zeitverschiebung mit sich bringt. Eigentlich ist es 4:00 in Bangkok-Zeit, trotzdem haben die meisten Thai-Damen, während sie auf das Gepäck warten, schnell mit Taschenspiegeln das Make-Up aufgefrischt, den Lippenstift nachgezogen und die Wimpern nachgefärbt. In schleppendem Tempo fädelt sich der ganze Tross in den Bus ein, nur um auf den Sitzplätzen weiterzuschlafen. Auch ich freue mich auf meinen Schlaf-Sitz.

Doch lange währt der Schlaf nicht. Unsere Busreise-Führerin beginnt sofort pflichtbewusst mit leiser, monotoner Stimme ihre Ansprache, die immer wieder von einem verhaltenen, schüchternen Lachen unterbrochen wird. Blöderweise hat uns niemand gesagt, dass die Reiseleitung nur auf Thai ist; ein kleines, aber doch wichtiges Detail. So packe ich meine Ohrstöpsel aus um mich akustisch abzuschirmen. Das Fieber liefert den Rest und schon bald schlummere ich ruhig vor mich hin.

KIA Motors

Der RednerUnser erster Stopp ist KIA. Nach einem Propaganda-Clip, der keine Informationen enthält, sondern nur erklärt, wie toll KIA ist, gibt es einen Rundgang durch das Werk. Riesige Maschinen pressen aus Stahlplatten die Teile für den Rahmen. Roboter fügen die Teile zu einem Auto zusammen. Zwischendurch sieht man immer wieder einzelne Arbeiter, die irgend ein Teil nehmen, auf das Förderband huschen, in das Auto kriechen, das Teil anschrauben und wieder aus dem Förderband springen und die geförderten Kilometer zurück laufen, wo schon das nächste Auto auf sie wartet. Als Dankeschön für den Besuch bekommen wir ein KIA-Modellauto.

Die Lektion von diesem Werk. Alle paar Minuten kommt ein fertiges Auto aus der Fertigungsstraße heraus. Es gibt fünf Fertigungsstraßen. Somit kann auch der reichste Mensch der Welt maximal 150 KIA innerhalb von einer Stunden kaufen. Auch wenn er mehr Geld hat und mehr bieten würde, das natürliche Maximum wurde erreicht. Interessant darüber nachzudenken…

Korea Pur: Kimchi & Hanbok

KimchiköchinNach dem Mittagessen werden wir ins Kimchi-Land geschickt. Ein grausiges Kellerloch, wo man friert. Die Reiseleiterin hat uns erklärt, dass es im Haus sei; das stimmt. Nur das Detail, dass das Haus nicht beheizt ist, wurde wieder vergessen. So stehen wir frierend im Kimchi-Keller. Ein stolze koreanische Matrone erklärt uns was Kimchi ist. Die Reiseleiterin übersetzt es uns auf Thai. Später erklärt mir Wikipedia, dass Kimchi konservierter Kohl ist. Der Kohl wird mit Salz eingerieben um ihn haltbar zu machen. Da gepökelter Kohl langweilig schmeckt, haben die Koreaner dem Salz noch eine Unmenge anderer Gewürze beigemengt. So ist Kimchi Kohl, wo jedes Blatt mit einer roten Pasta bestrichen wurde. Und genau das dürfen wir jetzt machen. Kohlblätter mit einer roten Creme bestreichen. Davor müssen wir jedoch ein Schnapsglas voll Milch mit Ginseng trinken, erst dann dürfen wir uns an die heilige Arbeit machen.

Nachdem wir Kimchi produziert haben, geht es einen Stock höher. Hier ist es nicht mehr ganz so kalt. Jetzt sind wir im Hanbok-Land angekommen. Hanbok wird die klassische koreanische Tracht genannt. Verkleidet in bunten Polyesterkostümen machen wir Korea-Fotos. Schräg, aber erheiternd.

Geschichte und Film – oft schwer zu trennen

Im PalastDer nächste Stopp ist ein Filmset von einer berühmten koreanischen TV-Serie: »Sword and Flower«. Das Set ist ein altes koreanisches Dorf, das Gelegenheit für einen Spaziergang und eine Fotosession bietet.

Der letzte Stopp ist ein kurzer Spaziergang entlang der Hwaseong-Festung in der Stadt Suwon. Es fällt sofort auf wie gepflegt und restauriert diese Sehenswürdigkeit ist. Keine Hotels und Straßen wurden hier gebaut. Keine Steine werden als Souvenirs verkauft. Stattdessen steht die riesige Anlage in voller Pracht und prächtiger Beleuchtung hier, als hätte die Zeit keine Spuren hinterlassen. Genau genommen fällt es uns schwer, einen Unterschied zwischen dem Filmset und dieser Festungsanlage zu erkennen. Würde man nicht von Hinweisschildern auf den Hintergrund hingewiesen, könnte man das historische Bauwerk leicht mit dem künstlichen vertauschen.

Heizen und Kühlen

Schlussendlich kommen wir in unserem Hotel an, wo uns wieder hochgewachsene, bleiche Männer in Anzug und Mantel empfangen und unser Gepäck ausladen. Koreanische Häuser haben eine Besonderheit auf die sie stolz sind: Fußbodenheizung. In Korea werden alle Gebäude nur über den Fußboden geheizt. Nur die Wärmeregulierung ist nicht nach europäischem Verständnis geregelt. Jeder Raum wird pauschal auf 29° geheizt. Da das zu warm ist, gibt es eine Klimaanlage mit der man den Raum auf die gewünschte Temperatur abkühlen kann. Oder man öffnet einfach die Fenster. Ohne lange zu überlegen welche Variante schlechter ist, falle ich einfach auf das weiche Bett und genieße meinen wohlverdienten Schlaf.

Südkorea – Exkursion

Heute geht es für fünf Tage nach Südkorea – hauptsächlich Seoul und Umgebung.

Exkursion

NIDA hat für uns eine Exkursion organisiert. Auf dem Programm stehen neben Kia-Motors und Samsung, auch etliche Sehenswürdigkeiten und noch mehr Einkaufszentren, Märkte und Outlets.

Die Thai scheinen Ähnlichkeiten mit den Italienern zu haben. Einkaufen ist sehr wichtig, wenn man ein anderes Land besucht. Das erinnert mich irgendwie an die Busse am DEZ-Parkplatz in Innsbruck. Außerdem kleiden sie sich ähnlich. In Korea hat es um die 2°-15°. Die Thais haben sich für eine Polarexpedition vorbereitet. Lange Unterhosen wurden gekauft und jeder hat sich eine neue Daunenjacke zugelegt, damit er ja nicht bei diesen arktischen Temperaturen erfriert. Wobei ich vermute, dass sie schwitzen werden, da sie ja die klimatisierten Räume in Bangkok gewöhnt sind…

Langsam sollte ich packen, da es in ein paar Stunden losgeht. Mehr News gibt es in den nächsten Tagen aus dem noch ferneren Osten.

Ayutthaya – Der Geschichtspark

Der nächste Stopp ist der Geschichtspark von Ayutthaya. In diesem Park finden sich die meisten der Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe, so dass man, nachdem man einmal sein Auto geparkt hat, alle Tempel und Steinhaufen zu Fuß erkunden kann.

Stein-Sightseeing

Buddha-KopfAls erstes nehmen wir uns Wat Mahathat vor. Hier gibt es den berühmten Buddha-Kopf der mit einem Baum verwachsen ist. Überall im Tempel stehen Hinweisschilder, die einem darauf hinweisen, dass man nicht auf die Mauern klettern soll, um mit dem Kopf nicht höher als die Buddha-Statuen zu sein. Das blöde an dem im-Baum-festgewachsenen-Buddha-Kopf ist, dass er auf Bauchhöhe ist. Der Ehre halbe sollte man bei Fotos nicht höher sein als er. Darum wurden extra kleine Hocker bereitgestellt auf die man sich während des Fotos setzen kann. Ich fotografiere den Buddha-Kopf ohne Menschen die am Hocker sitzen, dafür mache ich mein Foto aber im Stehen, so wie die anderen Touristen auch.

Weiter geht es zum Königspalast, oder besser gesagt was davon noch übrig ist. Die Birmanen haben gute Arbeit geleistet. Wo früher der Palast war ist jetzt eine grasbewachsene Fläche zehn mal größer als ein Fußballfeld. Ab und zu liegen ein paar Steine herum, die erinnern sollen, dass nicht immer nur ein leeres Feld an diesem Ort war.

Der kleine Verkäufer

Auf dem Weg zum Palast kommt uns ein kleiner Junge entgegen, geschätzte sechs Jahre alt. Er will uns Andenken aus Plastik verkaufen. Als wir ablehnen will er ein paar Münzen haben. Wir bleiben hartnäckig, er auch und fragt ob er nicht zumindest ein bisschen Wasser haben kann. So gebe ich ihm meine halb-volle Wasserflasche. Und der kleine Junge macht sich wieder auf den Weg zu den nächsten Besuchern.

Ich frage Boom wie es so etwas in Thailand geben kann. Hier gibt es Schulpflicht und kostenlosen Unterricht für alle Kinder. Außerdem ist Kinderarbeit per Gesetz verboten. Sie sagt, dass das Problem darin liegt, dass niemand das Gesetz exekutiert. Die Polizei würde dem armen Jungen höchstens eine Ohrfeige geben, ihm seine paar Münzen und Scheine nehmen und ihn wieder zurück an die Arbeit senden.

Fische füttern

Feeding Fish 2Nach dem Mittagessen finde ich mich bei einer kuriosen Attraktion wieder: Fische füttern, aber mit Milch aus einem Trinkfläschchen für Babys. Und mein Weltbild wird wieder erschüttert. Seit wann trinken Fische aus Baby-Fläschchen? Und seit wann trinken diese Nicht-Säugetiere Milch? Thailand bleibt jeden Tag aufs neue spannend.