Der letzte Tag in Habana

Ab dem 3. Tag hat man die Stadt durchschaut; nicht in dem Sinne, dass man alles kennen würde, das tut man nach Jahrzehnten noch nicht, aber in dem Sinne, dass man die wichtigsten Spielregeln kennt, Gauner von ehrlichen Menschen unterscheiden kann und im Rhythmus der Einheimischen mitschwingt.

Pizza essen

Heute ist mein letzter Tag in Habana. Ich beschließe in einer kleinen Seitengasse zu Abend zu Essen. In einem alten Haus, von dem der Putz abbröckelt, ist eine kleine Pizzeria eingerichtet. Vier runde Tischen stehen in dem kleinen Raum, der gerade einmal so groß ist, dass neben der kleinen Tischen noch eine Bar Platz gefunden hat. Die Tische sind mit bodenlangen roten Tischdecken verhüllt. Die Kubaner haben einen anderen Geschmack als ich. Aber ihr Geschmack betreffend die Einrichtung harmoniert mit ihrem Geschmack der die Kochkünste betrifft.

Als mir die kubanische Kellnerin die Pizza bringt, erkenne ich sie zuerst nicht als Pizza. Mir sind schon einige Pizzavarianten untergekommen: eine Pizza mit allem, was man im Haus findet, eine Pizza, die nur mit Schinken, oder Salami belegt ist sowie eine eher minimalistische Pizza, die nur mit Käse und Tomatenmark genossen wird. Aber diese Pizza hier schlägt alles. Hier wird sogar noch am Tomatenmark gespart, sodass man nur eine spärliche Käseschicht auf dem teigigen Klumpen vorfindet. Ich würge die Pizza mir viel kubanischem Refresco herunter. Refresco ist Cola, ohne Cola zu heißen. Denn alles was amerikanisch anmutet, mag man hier nicht.

Nach dem spartanischen Mahl, begleiche ich die Zeche und will der netten Kellnerin noch ein paar Münzen als Trinkgeld da lassen. Während ich mich elegant von meinem Stuhl erhebe und entferne, passiert das Missgeschick. Das Tischtuch entfernt sich mit mir und dadurch entfernt es auch die Gläser, Teller, Blumen und Münzen vom Tisch.

Eilig macht sich die Kellnerin daran, alles wieder sauber zu machen. Hastig versichert sie mir auf meine Entschuldigungen, dass das doch nichts mache. Aber ihr Gesichtsausdruck sagt was anderes. Ich fühle mich schlecht, nicht weil ich etwas kaputt gemacht habe, sondern weil ich das Gefühl habe, dass dieses Scherben für die arme Kubanerin sehr viel Geld bedeuten konnten.

Warten vor der Bar

In Cuba wechselt man Geld nicht einfach so. Mühsam muss man sich bei einer Bank anstellen, um dann nach eindringlicher Kontrolle des Ausweises nur die halben Geldscheine gewechselt zu bekommen, da an den anderen mikroskopische Haarnadelrisse vorhanden sind, die den Geldwechsler abschrecken.

So kommt es, dass ich mit meinen Bargeld-Reserven haushalten muss, da ich am nächsten Tag abreisen werde, zum Flughafen kommen muss, etwaige Steuern bezahlen darf und zu guter letzt darf kubanisches Geld nicht ausgeführt werden und wird einem dann beim Bording abgenommen. Darum sitze ich nicht in der Bar bei einem Mojito, sondern vor der Bar auf einer Sofaecke, die in der marmornen Lobby des Hotels steht. Dort schreibe ich und beobachte die Leute.

Eine junge Kubanerin gesellt sich zu mir. Sie möchte gerne in die Bar, aber ihr fehlen die 5CUC für den Eintritt. So hofft sie, dass irgendein Bekannter vorbeikommen und sie einladen wird. Währenddessen reden wir miteinander. Besser gesagt, sie stört mich beim Schreiben, indem sie immer wieder Fragen stellt. Blöderweise kann sie nur wenig Englisch und ich kann kein Spanisch. Trotzdem können wir mittels Italienisch/Lateinisch/Englisch und Zeichensprache miteinander kommunizieren. Interessant, was alles geht, wenn man die Zeit und Muse dazu hat. Nach einer halben Stunde kommt dann doch ein Freund von ihr, der sie einlädt.

Ein paar Minuten später sehe ich, wie zwei glatzköpfige Kubaner, die in perfekt sitzenden Smokings stecken, einen betrunkenen Gast durch die holzgerahmte Glastüre unsanft in das Freie befördern, während ein Putztrupp anrückt.

Noch ein paar Minuten später kommen zwei extrem aufdringliche Prostituierte angewackelt, die wie magisch von mir, als einem alleine sitzenden jungen Mann, angezogen werden. Die eine wäre vor 20 Jahren sicher ein Hingucker gewesen. Die andere wird es in 10 Jahren vielleicht einmal werden. Von den beiden Damen könnte manch ein Vertreter was lernen. Sie sind so aufdringlich, dass ich tatsächlich die Flucht auf mein Zimmer ergreifen muss, damit ich endlich meine Notizen fertig schreiben kann. So kommt es, dass ich meinen letzten Abend in Habana, alleine auf meinem Zimmer, ohne Musik, ohne Cocktail und ohne Gesellschaft dafür mit meinen viel geliebten Büchern ausklingen lasse.

Mit Jose in Habana

José

Ich warte in der Lobby von meinem Hotel auf José. Punkt 16:00 erscheint er, wie vereinbart. José ist 23 Jahre alt, spricht fließend Deutsch und studiert Tourismus. Der agile junge Kubaner will mir heute das nicht-touristische Habana zeigen. Und die erste Lektion ist, dass er nicht raucht und keinen Salsa tanzen kann – wie übrigens die meisten Kubaner.

Taxifahren auf kubanisch

Mit einem alten Klappertaxi wollen wir aus dem touristischen Stadtzentrum wegfahren. Das alte Auto aus den Sechzigern hat schon bessere Tage gesehen. Mit blauer Farbe wurde es von Hand gestrichen, innen hängt die braune Lederdecke durch und die Fenster lassen sich auch nicht mehr schließen. Dafür ist die Sitzplatzkapazität von diesem Oldtimer-PKW enorm. Am Beifahrerplatz finden zwei Personen ihre Sitzgelegenheit. Und auf die Rückbank passen ebenfalls vier Leute. Leider will das Taxi nicht anspringen. Der Fahrer flucht, steigt aus und öffnet die Motorhaube. In dem Moment steckt schon ein findiger Kubaner seinen Kopf durch das offene Beifahrerfenster hinein und weist und darauf hin, dass sein Auto fahrtüchtig wäre und auch noch platzt für uns habe. Ehe es der fluchende Fahrer, der im Motorraum seines blauen Wagens verschwunden war, richtig bemerkte, waren seine fünf Fahrgäste, inklusive uns beiden, schon im anderen Taxi quer durch die Stadt unterwegs.

Die Sprachschule

Als erstes bringt mich José zu seiner Sprachschule. Wir steigen das alte Stiegenhaus hinauf. Ein schmaler Gang, dessen abgeblätterte Farbe nur noch zu erahnen ist, führt uns an kleinen Klassenzimmern vorbei. Über eine Bretterbrücke müssen wir in das Nachbargebäude klettern. Dort findet in einem kleinen Unterrichtsraum, der Deutschunterricht statt. Eine Kubanerin versucht vier jungen Burschen die deutsche Sprache näher zu bringen. Es ist lustig als Muttersprachler am anderen Ende der Welt in so einer Klasse zu sitzen und der kubanischen Variante von Deutsch zu lauschen.

Die US-Botschaft

José zeigt mir den berühmten Malecon, einen grauen Steifen Beton, eingeklemmt zwischen einer vierspurigen Straße und dem peitschenden Meer. Während wir diese berühmten Meerpromenade entlang spazieren, kommen wir an der US-amerikanischen Botschaft vorbei. Das Gebäude selber ist unscheinbar. Das besondere findet sich aber auf dem Platz davor. An diesem Platz findet jedes Jahr die Rede des kubanischen Präsidenten an sein Volk statt. Da sich genau hinter der Redetribüne die amerikanische Botschaft in das Blickfeld drängt, haben sich die US-Amerikaner gedacht, man könnte doch die Botschaft exzessiv mit der amerikanischen Fahne schmücken, damit jeder Kubaner, der die Übertragung der Rede im TV sieht auch die Flagge mit den Sternen und den Streifen bewundern darf. Das schmeckt den Kubanern nicht besonders. Findig wie sie sind, haben sie deswegen einen regelrechten Fahnenmasten-Wald zwischen der Botschaft und der Redetribüne aufgestellt. An diesen unzähligen Masten wird einfach das kubanischen Banner gehisst, wenn der Präsident redet. Und gleichzeitig dürfen die Botschafter jeden Tag ihre Aussicht von unzähligen Fahnen und Masten verstellt wissen. Ironie des Schicksals.

Cuba originale

Als wir zu einem Mojito in eine Bar einkehren beginnt Jose über Cuba zu erzählen. Das gedämpfte Licht, die dunklen Holzdielen und der Cocktail lassen ihn Dinge erzählen, die man auf offener Straße nicht sagen würde. José berichtet über die zwei Gesichter von Cuba. Das schöne, angenehme zeigt das kostenfreie Wohnen, die kostenfreie Bildung, die freie medizinische Versorgung und das Leben ohne Stress. Das düstere ist der permanente Mangel an guter Nahrung, an Kleidung, an Reisefreiheit und an Luxus. Unter Raul sei vieles besser geworden. Man kann jetzt Handy kaufen. Kleine Unternehmen dürfen gegründet werden. Und man kann sogar in ein anderes Land reisen, wenn man eine Einladung bekommt.

In seinen Augen sind auch die beiden Währungen ein Problem. Es gibt cubanische Pesos und konvertible Pesos. 1CUC  konvertibler Peso = 1US-$ = 25CUP kubanische Pesos. Die Theorie besagt, dass ein Tourist nur mit konvertiblen Pesos und ein Kubaner nur mit kubanischen Pesos in Kontakt kommt. Das Leben in CUC-Cuba ist einfach, das Leben in Peso-Cuba ist sehr kompliziert. Vieles bekommt man nur schwierig und nach langem Warten, vieles gar nicht. Ein guter Monatslohn ist 300CUP, umgerechnet 12CUC. Ein Kellner bekommt an einem guten Tag mehr an Trinkgeld, als er in einem Monat als Lohn bekommt. Darum läuft die Jagd auf CUC. Für einen Touristen sind 1$ nicht sehr viel Geld, für einen Kubaner sind das zwei Tageslöhne. Daher läuft sehr viel »unter Hand«, wie es José ausdrückt. José hat Glück. In der Tourismusbranche hat er einen guten Job mit viel Trinkgeld. Außerdem kommt seine Freundin aus der Schweiz und die beiden planen zu heiraten. In ein paar Monaten reist er in die Schweiz.

Rassismus und Religion seien auf Cuba kein Problem, denn die Leute haben viel zu viele gemeinsame Probleme, die sie vereinen. Eines davon ist die Sehnsucht auszuwandern. Es gibt ein Gesetzt, das jeden Kubaner zu einem US-Staatsbürger macht, sobald er den Boden der USA berührt. Daher versuchen zig Glückssuchende auf selbst gebastelten Booten nach Florida zu kommen und versinken dabei.

Ein altes Auto wartet wieder auf uns. Alle Fenster sind geöffnet, die Musik dröhnt auf maximaler Lautstärke. Auf der Rückbank haben zwei Matronas Platz gefunden. So tuckeln wir in einem alten Taxi wieder in das touristische Kuba zurück.

Ein Streifzug durch Habana

Straßenleben

AutoIch verlasse den alten Kolonialbau durch die Seitentüren. Obwohl es noch Vormittag ist sticht die karibische Sonne schon vom Himmel. Trotzdem wimmelt es auf der Straße nur so vor Menschenmassen. Mulatten in ihren typisch bunten T-Shirts und Flip-Flops aus billigem Plastik. Daneben die dickbäuchigen Touristen mit ihren rosa Kugelköpfen, auf denen Strohhüte türmen. Bestückt sind sie meist mit unerschwinglichen Kameras die vor ihren Bäuchen baumeln.
Die Einheimischen sind arm, sehr arm. Und die Touristen sind verglichen mit ihnen unermesslich reich. So kommt es, dass überall versucht wird den Touristen ein bisschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Trotzdem sind die Kubaner aber freundlich und offen und ihre Kreativität bringt einem richtig zum Schmunzeln.

Der Boogie-Sänger

Einer von den kreativen Kubanern war ein Boogie-Sänger. Mit seiner alten, abgegriffenen Gitarre lauert er am Hauptplatz auf Touristen. Als er mich mit meinem Panama-Hut und meinem weißen Hemd beim Stöbern in einem Buchladen erblickt, kommt er sofort herbeigeeilt. Freundlich stellt er sich als »Boogie-Man« vor und fragt mich nach meinem Namen. In einfachem Englisch antworte ich ihm: »My name is David!«. Darauf nimmt er seine Gitarre, beginnt zu spielen und lauthals zu Singen. Er singt ein Ständchen auf den Namen »Isdevid«! Die Augen aller am Platz sind auf ihn und auf mich gerichtet. Und sein Ständchen beginnt eine unangenehme Länge anzunehmen. Als ich schlussendlich weitergehe, begleitet mich der singende Barde. Und nach ein paar Minuten ist der Schrecken vorbei. Ich will ihm kein Geld geben, aber ich lobe ihn für seine Musikkünste. Ein weiterer Fehler. Das Lob freut ihn so, dass er wiederum zu einem nächsten Lied ansetzt.

Das Museum

GiraldillaUm ein bisschen Ruhe zu finden, biege ich in das Museum der Nautik ein. Hier darf man ein paar Pesos Eintritt bezahlen, so kommt es, dass ich der einzige Besucher bin. Aber meine Ruhe finde ich hier auch nicht. Prompt nach dem Bezahlen des Eintrittes wird mir eine eigene Aufseherin zugeteilt, die sichtlich erfreut über den einzigen Gast ist. Die Dame mit dem strengen Haarknoten und dem blau-schwarzen Kostüm führt mich von Raum zu Raum über Vitrine zu Vitrine. Dabei erklärt sie mir von jedem Schaustück die Geschichte, und das auf Spanisch. Dabei lässt sie erst locker, wenn ich ein zustimmendes Nicken, ein »Ah« oder ein »Mhm« von mir gehe, denn sie will sicher sein, dass ich auch jede Münze und Kanonenkugel verstehe. Da ich kein spanisch beherrsche, bleibt die Informationsfülle eher mäßig.
Aber ich kann im Museum das berühmte kubanische Wahrzeichen besichtigen – die Giraldilla. Diese zierliche Damenfigur kommt mir bekannt vor. Man kann sie auf der ganzen Welt betrachten, als Plastikstäbchen in seinem Cocktail.

Die Straßen

Old ManAls ich die angenehme Kühle des Museums verlasse, tritt sofort eine aufgetakelte Matrone auf mich zu. Verziert mit einem karibischem Kopftuch, den traditionellen Farben und einer unsäglichen Leibesfülle, will sie von mir gegen eine kleine Geldspende fotografiert werden. Wie eine Krake schlingt sie sich mit ihren leibigen Fingern um meinen Arm und lässt mich erst nach einem Kuss auf die Wange wieder weiterziehen.
Aber die Ruhe währt nicht lange. Zwei alte Männer kommen auf mich zu und wollen auch gegen eine Spende fotografiert werden. Einen von ihnen, den zahnlosen lächelnden alten Mann, lichte ich tatsächlich ab. Dem anderen, der unsagbar aufdringlich ist, gebe ich eine Euro-Münze. Er sieht sie verwundert an, bedankt sich und steckt sie ein. (Wie durch ein Wunder findet die Münze am nächsten Tag ihren Weg zurück zu mir und will gewechselt werden).

Telefonieren

Der nächste Schlepper naht sich mir. Ein Mann im mittleren Alter, der mir Zigarren verkaufen will. Doch David hat inzwischen gelernt. Statt ihm Zigarren abzukaufen, bringe ich ihn dazu mir zu helfen. Will man nämlich von Kuba aus telefonieren, muss man sich eine spezielle internationale Telefonkarte kaufen. Die gibt es nur im nationalen Postamt. Welches wiederum richtig kommunistisch organisiert ist. Ein grantiger Schalterbeamter öffnet für Millisekunden die Türe um einen Auserwählten aus der endlosen Schlange einzulassen, manchmal zumindest. Oft öffnet er die Türe gar nicht.
Darum versuche ich den Schlepper dazu zu bringen, mir so eine Karte zu kaufen. Er stellt sich geschickt an. Gewandt drängelt sich durch die wartende Masse vor. An der Türe angekommen, klopft er und sieht sehr mitleidswürdig aus. Als ein Auserwählter eintreten darf, gibt er diesen die 5CUC von mir und bittet ihn so eine Karte zu kaufen. Die Masse murrt. Aber nach ein paar Minuten habe ich eine Karte in der Hand. Nur nützt mir diese Karte nichts. Mein lieber kubanischer Schlepperfreund hat mir einen Aufladebon für ein kubanisches Wertkartenhandy besorgt.
Ich gebe den Versuch auf, an eine Telefonkarte zu bekommen. Stattdessen versuche ich nun mein Glück im Hotel. Dort soll es auch ein Telefon geben. Die Dame an der Rezeption reicht mir einen blankpolierten Telefonapparat, er könnte aus einem Museum stammen. So stehe ich in an der marmornen Theke unter dem alten Ventilator und versuche nach Europa zu telefonieren. Doch es funktioniert nicht. Die Dame meint, es könnte vielleicht Morgen klappen. Ich gebe das Telefonieren komplett auf.

Essen auf der Straße

Nach meiner Salsastunde kehre ich zum Abendessen in ein Restaurant in einer kleinen Seitenstraße ein. Dieses Restaurant wird von der einzigen kubanischen Touristenfirma – Habaguanex – gemanagt. Will man hier eine Anstellung finden, so muss man Tourismus studiert haben. Das beinhaltet neben einem intensiven Studium der europäischen Kultur auch die Bedingung vier Fremdsprachen fließend zu sprechen. Da können wir uns verstecken. Und erst die US-Amerikaner…
Zwei der Kellner gesellen sich zu mir an den Tisch. Der jüngere von beiden, José, spricht fließend Deutsch. Wir schließen den Deal, dass er mir morgen Kuba zeigt und ich dafür mit ihm Deutsch übe. Er ist einverstanden. Und ich freue mich, endlich in das wirkliche Habana eingeweiht zu werden. Jose muss sich wieder an die Arbeit machen. Ich genieße mein Essen und beobachtet vier kleine Jungen, die auf der Gasse unermüdlich Baseball spielen; mit einem einfachen Brettchen und den Deckeln von vier Plastikflaschen… Kuba ist anders.

Eine Nacht in Habana

Alex

Der Flug hatte Verspätung. Dafür traf ich einen interessanten Typen am Flughafen: Alex. Einen Schweden, der schon seit über einem Jahr durch Südamerika reist. Sein Vater hat ihm einiges vererbt, außerdem besitzt er eine Wohnung, wo er monatlich ein bisschen Miete kassiert. Ein paar Monate hatte er aus Interesse versucht ohne Geld zu leben und sich von Essensresten ernährt – nicht so ganz meine Art zu reisen. Seine Aufmachung verrät, dass er den Hippies zuzurechnen ist. Sei Blick zeigt, dass er zuviel bewusstseinsverändernde Substanzen zu sich genommen hat.

Security-Check

Während wir auf das Boarding warten, kommt ein spezieller Durchsuchungstrupp mit Drogenhunden. Sie greifen auffällige Passagiere heraus und durchsuchen sie. Ich werde durchsucht, Alex nicht. Warum das? Was glauben die Mexikaner? Ich trage meine Bügelfaltenhose, ein weißes Hemd und habe ein Jackett und einen Hut in der Hand. Sehe ich suspekt aus, oder glauben sie ich sei ein Agent?

Bei der langen Einreiseschlange am Flughafen in Habana treffen wir uns wieder. Beim Bordercrossing haben wir uns wieder verloren. Diesmal haben sie ihn auserkoren. Auch 30min warten bringt nichts. Er bleibt verschwunden. Schade…

Habana Vieja

Mit dem Taxi geht es nach HABANA VIEJA. Welcome to the 3rd-World. Allein schon bei Tage wirken die Straßen einschüchternd: alles ist heruntergekommen. Alte Häuser. Schlaglöcher. Leute in T-Shirts und Flip-Flops.

Noch mehr erschreckt mich da das Hotel und der Service. Ein alter Kolonialbau. Perfekt restauriert. Alles aus Marmor. Palmen stehen herum. Ein Cubaner im weißen Hemd und mit Fliege trägt meine Koffer ins Zimmer.

Lyoness

Hungrig ging ich auf die Straße und lief einem Schlepper in die Arme – Lyoness, so sein Name. Das Restaurant in das er mich gebracht hatte war spitze. 4. Stock. Dachterrasse. Hier soll schon Hemingway gesessen haben. Während ich meine Paella esse und meinen Mojito schlürfe, spielt eine Band Salsa.

Ich lade meinen Schlepper auf einen Cocktail ein, er mich auf einen weiteren. Dann bringt er die Idee vor, in ein Salsa-Lokal zu gehen. Wie kann ich da widerstehen? Auf der Straße treffen wir noch eine Gruppe Franzosen. Gemeinsam pilgern wir im Laternenschein zum vermeintlichen Salsa-Lokal.

Das Salsalokal hat sich dann als eine Diskothek entpuppt. Eine Laute Diskothek. Ich muss mir die Ohren mit Toilettenpapier zustopfen, damit es nicht zu sehr schmerzt. Trotzdem dröhnt die Lautstärke noch richtig in den Ohren. Zusätzlich gab es eine Brake-Dance-Show, dafür keine Tanzfläche aber überall Tische und Stühle, so wie man es von einem Film aus den 70ern kennt. Überstylte Cubanerinnen standen vor ihren Tischen und tanzten zur Musik, während die Freunde von ihnen am Tisch saßen und Zigarre rauchten.

Das Lustige Paar

Um 2:00 war mir der Schlaf dann doch wichtiger als die komische Diskothek. Lyoness blieb noch da. Er verstand nicht, warum ich schon so früh ging. Auf der Straße quatschte mich schon das nächste Paar an. Sie eine Ballerina, er ein Security von einem Hotel. Sie soll eine Schwester in Österreich haben, die im Floridita in Wien arbeitet. (Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr sicher, ob sie das Lokal namentlich erwähnt hat, oder ob sie ein Lokal in der Hauptstatt gesagt hat, worauf ich den Namen gesagt habe und sie zugestimmt hat…). Wir kamen immer weiter ins Gespräch, sie lud mich ein morgen in ihr Lokal zum Salsa tanzen zu kommen. Die Einladung gab sie mir schriftlich, auf einer Serviette. Dazu kehrten wir drei noch in eine komische Spelunke ein um einen weiteren Cocktail zu trinken. Das Lokal war eine Bruchbude, die mit alten Holzstühlen vollgestellt war, blaue Wände hatte und eine einsame Bar in der Mitte aufweisen konnte.

So am Tisch erzählten sie mir von Cuba und den Sehenswürdigkeiten, die ihr Freund ganz eifrig mit einem stumpfen Bleistift auf die Hinterseite der Serviette schrieb. Beim letzten Punkt kam er auf die Zigarren zu sprechen. Zigarren bekommt man in Cuba in Fabriken, oder bei den sogenannten Kooperativa – kleine Hausläden, die eine bestimmte Menge zu bestimmten Tagen verkaufen dürfen. Da der Koop nur einmal im Monat geöffnet hat, und das ausgerechnet heute, wäre es DIE Gelegenheit jetzt noch Zigarren zu kaufen. 18CUC die Packung. Da das so extrem günstig ist, ich sowieso Zigarren als Souvenir mitnehmen möchte, und ich einige Cocktails getrunken habe, scheint mir ihr Angebot und ihre Argumentation vernünftig.

Nur hatte ich in weiser Voraussicht nur noch 10CUC in der Tasche. Kein Problem sagen sie. Ich zahle einfach die 10CUC jetzt, sie begleiten mich zu meinem Hotel, wo ich ihnen dann die restlichen CUC gebe, die sie dann bezahlen. Pedro – der Security – bürge mit seiner ID für mich beim Händler. Während er den Deal abwickelt bedankt sich seine Freundin bei mir, denn sie bekommen Essensmarken für die verkauften Zigaretten.

Nachtmarsch durch Habana

Als wir uns aufmachen wollen, wird mir klar, dass sie damit rechnen, dass ich die Zeche im Lokal begleiche. Nur habe ich genau 0.0CUC in meiner Tasche. Und schon geht es rund. Der Kellner beginnt zu schreien, dass ich lüge, ich habe ja soeben Zigarren um 80CUC bezahlt und soll jetzt kein Geld haben. Pedro springt auf und schreit den Kellner an, dass das nicht stimmt. Erklärt ihm, dass sie mich zum Hotel begleiten, wo ich ihnen die restlichen 70CUC gebe. Ich werde bleich, da ich merke, dass die Zigarren doch nicht so billig, sondern extrem teuer waren. Der Kellner und Pedro schreien sich gegenseitig an, bis sie plötzlich eine Idee haben. Der Wirt soll doch einfach mit zu meinem Hotel kommen, da kann ich dann noch die Zeche begleichen. So kommt es, dass der Wirt, der Security und die Ballerina, gemeinsam mit mir um 3:00 durch Habana zu meinem Hotel laufen um die restlichen Pesos zu bekommen. Absurd. Wirklich Absurd.

Bilanz

Ich sitze hier vor meinem Hotelzimmer und ziehe Bilanz. Ohne es richtig zu merken habe ich innerhalb eines Abends €150 ausgegeben, mit 6 verschiedenen Leuten zusammen Cocktails in 4 Lokalitäten getrunken und als Nichtraucher Zigarren um ca. €80 gekauft. Cuba ist wirklich, wirklich schräg. Ich bin schon gespannt, was mich morgen erwarten wird, bzw. wie mir morgen die Cubaner versuchen die Pesos aus den Taschen zu ziehen.

Chichén Itzá

Day-Trip

Mit Mühe und Not habe ich zu meiner Busgruppe gefunden. Sie haben mich vergessen beim Hotel abzuholen. Aber Handy sei Dank, habe ich sie dann doch gefunden. Wir waren eine lustige Gruppe. Eine ältere Dame aus Atlanta, die einen kurzen Abstecher nach Mexiko gemacht hatte. Ein alter Herr aus der Schweiz, der für die UNO gearbeitet hatte. Ein junges Paar aus Venezuela, das zum ersten mal im Leben ins Ausland gefahren ist. Eine Kanadierin und eine Texanerin, die gemeinsam mit dem Rucksack reisen. Sowie ein Australier, der für die Regierung Drogen analysiert.

Auch unser Tour-Guide – Ruben – war sein Geld wert. Ein richtiger sanguinischer Entertainer. Während wir mit dem Bus nach Chichén Itzá fahren, klärt er uns über die Maya auf.

Die Maya

Kalender2.000.000 Millionen Maya leben heute noch im Dschungel auf der Halbinsel Yucatan. Sie bewahren ihre Kultur und ihre Sprache. Als die Spanier ankamen waren die Maya eine Steinzeitkultur. Daher konnten sie einfach von den Europäern mit ihren Pferden und ihren Stahlwaffen besiegt werden; zumindest die Maya die in den Städten lebten. Die kleinen Dörfer im Dschungel überlebten, denn abseits der großen Wege hatten die Spanier keine Chance mit ihren Pferden durchzukommen. Auch ihre netten Stahlrüstungen waren nicht für die tropische Hitze gemacht. Das ist Ironie des Schicksals. Die großen Maya-Städte mussten dran glauben, die kleinen Dörfer überlebten bis heute.

Die Maya hatten Obsidian als Werkzeug. Dieses Vulkanglas war stabil genug um Sandstein zu behauen. In der Sonne glitzert es auch noch schön golden. Das Glitzern lockte die Conquistadores natürlich an, aber enttäuschte sie auch, denn auf Yucatan gab es kein Gold für sie.

Obwohl es einige Maya-Sprecher gibt, können nur noch wenige Maya lesen oder schreiben. Leider gibt es auch nur noch 3 Maya-Bücher. Die – welche Ironie – in Paris, Madrid und Dresden aufbewahrt werden. Denn die Spanier verbrannten diese dämonischen Zauberbücher sofort nach der Christianisierung. Nur ein paar »heidnische« Forscher nahmen die drei Bücher mit und bewahrten sie so für uns.

Kaufen, Kaufen

ObsidianDer erste Stop an diesem Tag war eine richtige Touristenfalle. Unser Bus macht an einem »original Maya-Laden halt«. Hier gibt es Plastikhängematten aus China und anderen billigen Kram. Aber immerhin kann man ein Cola trinken.

Der nächste Halt ist Chichén Itzá. Unser Führer – ein Archäologe – ist ein richtiger Maya-Profi und beantwortet alle unsere Fragen.

Chichén Itzá

Pyramide 2Chichén Itzá hat eine Fläche von ca 16 Quadratkilometer. (Nachdem ich jetzt zehn Minuten versucht habe einen Größenvergleich zu erstellen aber nichts gefunden habe, ist es am besten, ihr stellt euch ein Quadrat mit 4km Seitenlänge vor 😉 ) In der Blütezeit sollen knappe 100.000 Einwohner dort gewohnt haben. Chichén Itzá war die Hauptstadt des Maya-Königreiches und herrschte über 5 Provinzen in Mittelamerika.

Das Zentrum ist die große Pyramide. Vor der Pyramide befindet sich ein steinerner Platz in derselben Größe. Will man sich gedanklich in die Vergangenheit versetzten, muss man sich die Gebäude bunt bemalt vorstellen. Der Plaza ist voll von Maya. Vor ihnen steigt der König mit einer Fackel einsam die Treppen der Pyramide hinauf. Immer im Zick-Zack, da die Stufen so steil sind. Oben zieht er sich zurück und meditiert, betet und bereitet sich auf seine Rede vor. Zum richtigen Zeitpunkt tritt er vor dem Publikum auf und hält seine Ansprache. Durch die akustischer Wirkung des freien Platzes, der umliegenden Gebäude kann jeder auf dem Platz den König sprechen hören. Den Höhepunkt der Rede liefert ein Himmelsphänomen, das die Astronomen genau berechnet haben. So glauben alle an die göttliche Macht des Königs

Menschenopfer

Kopf abDie Maya in Chichén Itzá waren Intellektuelle. Sie Opferten keine Menschen. Nur das eigene Blut wurde als Opfer gebracht, indem man sich die Zunge, die Ohren oder den Penis durchstach. Um das Jahr 900 wurden die Menschen jedoch ungläubig. Man vertrauten den König und seinen Intellektuellen nicht mehr. Man fürchtete sich vor Feinden und vor allem möglichen. Darum schlossen die Herrscher eine Union mit den Tolteken – einem Stamm von Kriegern. Auch sie zogen nach Chichén Itzá und sorgten für die Sicherheit.

Da die Tolteken an dieselben Götter glaubten, war die Union kein Problem. Nur beteten sie ihre Götter anders an. Der Sonnengott musste jeden Tag mit einem Herz gefüttert werden, das Herz eines feindlichen Kriegers. Dabei wurden keine Schwachen, Sklaven, Frauen oder Kinder geopfert. Der Tod selbst wurde von einem »Fachmann« durchgeführt. Da der Sonnengott nur ein Herz fraß, das noch pumpte, musste das Herz innerhalb weniger Sekunden aus dem Opfer geschnitten werden. So war der Tod nur eine Frage von Sekunden. Ganz anders als beim »All-Inclusive-Programm« im alten Rom. – So versucht uns der Führer die »menschlichkeit« der Maya näher zu bringen. Aber ganz gelingt es ihm nicht.

Ballspiel

TorDie Maya waren ganz verrückt nach ihrem Ballspiel. Ähnlich der südamerikanischen Begeisterung für Fußball. Nur dass das Maya-Ballspiel – Ulama – anders gespielt wurde. Das Spielfeld wirkt wie ein langer breiter Gang, der von zwei Mauern eingesäumt wird. Von der einen Mauer zur anderen wurde eine Markierung gezogen, die das Spielfeld in zwei Hälften teilte. Wo die Markierung die Wand berührte, war in vier Meter Höhe ein Steinring an der Wand angebracht.

Auf jeder Spielhälfte marschierten sieben Krieger in Galauniform auf, geschmückt mit Federn, bemalt mit Farben und verziert durch Piercings und Tätowierungen.

Das Ziel des Spieles war es einen kleinen Ball wie beim Tennis hin und her zu spielen und schlussendlich durch einen der beiden Ringe zu bekommen. Dabei durfte der ganze Körper als Schläger verwendet werden, die Schultern, die Knie, die Hüfte, etc. Manchmal gingen die Spiele bis die Sonne unterging, ohne dass jemand durch den Ring traf. Dann wurde am nächsten Tag das Spiel fortgesetzt, bis eine Mannschaft gewann.

Nach dem Sieg wurde dem Kapitän der Verlierermannschaft der Kopf abgehackt. Ganz im menschenfreundlichen Maya-Stil. Wobei uns der Fremdenführer aufklärt, dass dies für einen ausgebildeten Krieger nicht so schlimm sei und so übrigens die überschüssige Energie der Soldaten in Friedenszeiten abgebaut werden kann. Mir scheint, dass ein Fußballspiel heute ähnliche Stammes-Kriegerische Züge aufweist.

Wandern

HändlerNach der Führung durch Chichén Itzá haben wir noch ein paar Minuten Zeit das Areal auf eigene Faust zu erkunden. So mache ich mich auf den Weg zu einer Wassergrotte und zu der berühmten Sternwarte. Allerdings ist man nie alleine. Andauernd versuche einem die Maya chinesische Souvenirs zu verkaufen. Ich bekomme langsam einen Zorn auf den Typen, der diesen chinesischen Plunder importiert und den armen Leute hier einredet, sie könnten sich ein bisschen etwas dazuverdienen.

Mit einem kleinen Abstecher zu einer Höhle beenden wir den beeindruckenden Ausflugstag.

Cancun

Cancun

Cancun ist Kuta von Mexiko. Trotzdem wollten mir bisher nur zwei Leute Drogen verkaufen. Keine Angebote für Girls und Boys und auch keine Transvestiten. Cancun scheint humaner zu sein. Aber das Klientel bleibt dasselbe. Nur haben die amerikanischen Touristen Hawaii-Hemden oder T-Shirts an, statt der australischen Muskel-Shirts.

Der Strand

Es ist unmöglich ein ruhiges Stückchen Strand zu finden. Der Strand ist zum großen Teil ein zwei Meter breiter Sandstreifen zwischen den Hochhaus-Hotelanlagen und dem schäumenden Meer. Wird der Streifen einmal ein paar Meter breiter stehen schon abgesteckte Schirme und Liegen dort, die mit hämmernden Beats beschallt werden.

Wo sind nur meine Palmen?

Nach langem Wandern am Strand habe ich einen humanen Beach-Club gefunden. Es wirkt so unwirklich wie bei der Raffaello-Werbung. Cremeweiße Betten, mir wehenden schneeweißen Vorhängen, dazu leichte Lounge-Musik. Hier lässt es sich aushalten, schlafen, lesen.

Beim Zurückwandern sehe ich einen erstaunlich tiefsinnigen Spruch auf einem Haus stehen: »Life is lost in dreaming, dreams are lost in becoming.« Und das steht auf dem Hard-Rock-Cafe…

Mérida

Von der Stadtplanung, den Europäern und dem Moskitos

Schachbrett

SchachbrettMérida ist eine lustige Stadt. Alles ist nach einem Schachbrett-Muster aufgebaut. Keine Straße ist größer oder kleiner, alle sind gleich breit. Und alle Straßen sind Einbahnstraßen. Das Stadtzentrum ist ein Park in der Größe von einem Quadrat am Schachbrett. Außerdem gibt es keine Straßennamen, sondern nur Nummern. Kennt man die richtige Nummer, findet man alles. Kenn man sie nicht, ist man verloren.

Maya vs. Spanier

SklavenEs gibt hier wenig zu sehen. Alles was von der Mayakultur übrig war, wurde europäisiert. So wurde auf dem Maya-Tempel eine Kathedrale gebaut; teilweise sogar »aus« dem Maya-Tempel. Alles in allem sieht die Stadt eher wie eine Stadt in Griechenland oder Italien aus.

Einen Kopf größer als die meisten, blond und weiß. Dazu kommt noch mein Panamahut. So durchstreife ich die vier Sehenswürdigkeiten um den Plaza. Dabei werde ich wieder mit der Überheblichkeit der Europäer konfrontiert. Innerhalb weniger Jahrzehnte, haben sie es geschafft, die indigene Kultur komplett mit europäischen Elementen zu überstülpen. So sitze ich in einem Café und beobachte das Treiben am Platz noch für ein paar Minuten, bis mein Bus wieder Richtung Cancún fährt.

Bus nach Cancún

In Cancún laufen die Uhren anders. Hier rollt der Rubel. Alles ist doppelt so teuer wie in Mérida, da hier hauptsächlich Touristen zum Feiern am Strand kommen.
Meine Unterkunft ist sehr dubios. Scheinbar habe ich ein Händchen für komische Unterkünfte. Diesmal wohne ich in einem ausgestorbenen Einkaufszentrum, wo zwischen den Geschäften ein paar Zimmer verteilt sind. Gespenstisch. Auch mein 5-Bett-Zimmer wird nur von mir bewohnt. Von mir und 867 Moskitos.

Besuch bei den Maya

Von Hängematten, Mayas und Fabriken

Hammocksrada

HammocksHeute war volles Programm angesagt. 9:00 ging es zu Hammocksrada – dem libanesischen Hängematten-Großhändler. Wie ich später herausgefunden habe, ist er nicht sonderlich bei den Yucatecans beliebt – The Arab!Abraham und seine beiden Brüder führen den Betrieb schon seit über 26 Jahren. Sie zeigen mir ihre Wahre und die verschiedenen Modelle. Wir reden über den Preis und über Sonderwünsche. Alles geht.

Baumwollfabrik

ZwirnAber interessanter als die Lagerhalle, mit den Hängematten ist die Baumwollfabrik. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ein ewig altes Gebäude, das Fäden produziert. Verrückt, dass vor ein paar Jahrzehnten in Tirol noch dasselbe gemacht wurde. Alte Maschinen. Ein altes Gebäude. Zum Glück auch Arbeiter in mittleren Alter. Es ist schon komisch, dass man 24 werden muss um so etwas das erste mal zu sehen, obwohl alle unsere Kleidung mehr oder weniger aus solchen Fabriken kommt.

Tixkokob

Alter TempelNach der Fabrik geht es mit dem Fahrer und Dolmetscher in ein Maya-Dorf. Wir sehen uns die Häuser an, wo Maya-Frauen die Hängematten knüpfen. So wie die Großmütter bei uns am Dorf Heimarbeit machten. Weiter geht es zu Maya-Ruinen nähe Tixkokob. Wir durchstreifen die Ausgrabungsstätte. Keine Leute sind hier, nur ich als weißer Tourist, mit einem mexikanischen Fahrer. Er versteht es nicht, warum ich auf diese komischen Pyramiden klettern will, da es doch so heiß ist. Trotzdem bezwinge ich die Stufen, während er unten wartet. Und die Stufen sind so steil, dass sie bei uns auf der Kletterskala als 3 oder 4 eingestuft werden würden. Aber die Fotos waren es wert – oder auch nicht.

Vom Gringo-Sein

KindAm Ausgang der Ausgrabungsstätte sehen wir eine Sisal-Fabrik, wo ein paar Kinder davor herumlaufen und Spielen. Wir besichtigen auch diese Fabrik. Und die Kinder bestaunen mich. Diesmal werde statt Mzungu Gringo genannt. Es ist immer wieder ein komisches Gefühl als Europäer in der 2. oder 3. Welt unterwegs zu sein. Durch die weiße Haut gilt man als privilegiert. Türen werden einem aufgehalten, ein einziger Blick schüchtert die Leute ein. Man ist automatisch in der Alpha-Position. Und gleichzeitig wird man als Sparschwein wahrgenommen, das es zu schlachten gilt.

In meinem Fahrer hatte ich einen netten Reisepartner für den Tag gefunden. Das einzige Land in dem er war, waren die USA. 10 Jahre hatte er illegal dort gelebt und gearbeitet, daher kann er auch Englisch. Dann kam er mit zwei Kinder zurück. In Mexiko kamen nochmals zwei Kinder und ein Haus dazu. Er scheint glücklich zu sein. Und ich habe kann meinen eigenen Bericht über die Hängemattenherstellung in Tixkokob schreiben.

New York – Cancun – Merida

Vom Regen, Fliegen und dem mexikanischen Lebensgefühl

Regen in New York

»If it’s raining, it’s raining« Der Himmel bricht. Nach nur fünf Minuten, habe ich die zweite Dusche an diesem Morgen hinter mir. So einen Wolkenbruch habe ich noch nie erlebt. Und dann ist natürlich kein Taxi in Sicht und ich muss zur U-Bahn laufen. Der Koffer schlingert durch die Regenpfützen. Schlimm. Die U-Bahn-Station führt 5cm Wasser. Gut, dass die Fahrt zum Flughafen in Mexiko enden wird.
Ausgetropft komme ich am Schnellbahnhof an. 20 Minuten Zugfahrt können lange wirken, wenn man komplett durchnässt ist. Das gut dabe ist es, dass man als Reisender immer ein paar Ersatzkleider mit dabei hat. Die Toilette wurde schnell umfunktioniert, und David erstrahlte wieder im neuen, alten Glanz.

Sonne in Mexiko

Als ich in Cancun ausstieg, wusste ich, dass ich angekommen bin. Die Natur, die Temperatur, einfach alles passt. Nie werde ich in ein kaltes Land ziehen, schwöre ich mir wieder.
»In Mexiko kommt man mit Englisch überall durch«, steht in meinem Reiseführer. Nur leider haben die Mexikaner den nicht gelesen. Mit einer Mischung aus Italienisch, Latein und Zeichensprache bin ich dann doch zum Busbahnhof, in den richtigen Bus und ans Ziel gekommen: Merida.
Um 23:00 sitze ich vor meinem Hotel im Kolonialstil bei einem Bier und einem guten Abendessen. Und das bei über 20°C. So soll das Leben sein.

Konsum-City

Ein langer Tag in Big Apple. Vom Konsum, Comedy und großen Bildschirmen.

Konsum

SkylineDas viele Marschieren in der Stadt macht müde. Es gibt unzählige Eindrücke. Die Straßensperren im Financial District. Die Chinesen in Chinatown, viele kleine sprechende Menschen. Aber die vielen Reize und die Müdigkeit lassen keinen Flow-Effekt aufkommen. Man müsste schon ein Zen-Mönch sein um vom Big Apple nicht abgelenkt zu werden.

Der Puls von New York ist der Konsum. Im Süden stehen die Banken. Hier wird Geld vermehrt und Blasen geschaffen. Die 5th-Avenue ist die Konsummeile. Hier wird Geld gegen Güter getauscht. Und am Broadway wird das Geld in Luft aufgelöst, indem man sich Shows hingibt.

Alles blinkt, alles ist üppig, alles ist hohl. Auch die Leute sind von einem Hype getrieben. Sie versuchen alle zwanghaft Sanguiniker zu sein. »Hello! How are you?«, wird man auf der Straße angesprochen – auch wenn es niemanden interessiert. Aber auch wenn es hohl ist, ist es zumindest nicht unangenehm.

Comedy-Show

FameGestern hat mich am Times-Square ein Ticket-Verkäufer angequatscht und prompt eine Karte für eine Comedy-Show angedreht. Wenn man in New York ist, muss man eine Show ansehen. Aber irgendwie nervt der Gedanke übers Ohr gehauen geworden zu sein. Das Ticket habe ich um $20 bekommen und um $15 muss noch etwas konsumiert werden. Davon war natürlich zuerst nicht die Rede.
Wenn man in eine Comedy-Show geht sollte man zwei Fehler vermeiden: in der ersten Reihe Sitzen und Aufzufallen. Ich habe beides gemacht. Die meisten Komödianten haben ihr Handwerk jedoch gut verstanden. So fand der Abend noch einen lustigen Ausklang.
Voll von Eindrücken schlendere ich durch die nächtliche Stadt nochmals zum Times-Square. Dort erhalte ich meine 15 Sekunden Ruhm, da ich auf einer Videoleinwand abgebildet werde. Der Platz ist verrück. Egal ob Tag oder Nacht. Es ist immer hell und es ist immer voller Menschen.