Kuala Lumpur

Ankunft

IMG_11497:30. Mehr schlafend als wach trete ich auf den Bahnsteig in Kuala Lumpur. Ich bin überrascht. Gedanklich habe ich damit gerechnet, von Zuständen wie am Balkan empfangen zu werden. Doch hier sieht man keinen Abfall, keine dubiosen Gestalten, keinen verfallenen Bahnhof. Sauber, geordnet, modern – so empfängt mich Kuala Lumpur. In der Bahnhofshalle rieselt eine beruhigende, exotische Musik aus den Lautsprechern; eine Mischung aus nahöstlichen Rhythmen und fernöstlichen Instrumenten. Hier ist der Islam präsent. Aber die Mischung von einer Religion, die man gedanklich in der Wüste verankert, und asiatischen Menschen und Elementen bringt eine bezaubernde Einzigartigkeit mit sich.

IMG_1155Das ganze Land verströmt diese Mischung. Arabische Schriftzüge glänzen neben chinesischen Schriftzeichen von den Gebäuden. Daneben blinkt das goldene McDonalds-Logo und ein Schild weist auf ein Starbucks-Cafe hin. Ein Minarett lugt zwischen den Stahl-Beton-Hochhäusern hervor. Neben dem Bahnhof steht ein buddhistischer Schrein, vor dem ein Mann mit Räucherstäbchen in seinen Händen kniet. Dieses Land scheint ein Schmelztiegel zu sein, in dem allerlei Kulturelemente aus Okzident und Orient miteinander verschmolzen werden. Das Ergebnis ist eine neue, einzigartige Kultur.

Kuala Lumpur oder KL, wie es die Einheimischen nennen, hat gerade einmal 1,5 Millionen Einwohner. Geht man 150 Jahre in der Zeit zurück, findet man Kuala Lumpur als eine frisch gegründete Bergbau-Siedlung mitten im Urwald wieder. Eine Hand voll Zinnsuchender hat hier die Bäume gerodet und KL gegründet. Der Zinnhandel hat die neue Siedlung wachsen und Wohlstand anhäufen lassen.

Ende des 19. Jahrhunderts vereinigten die Briten die kleinen Sultanate auf der Malaysischen Halbinsel zur »Föderation von Malaya« und erklärten Kuala Lumpur kurzerhand als die Hauptstadt davon. Sie gaben der Stadt ein modernes Straßennetz und einige koloniale Prunkbauten. Abgesehen davon gibt es in KL nur die Petronas Towers zu sehen.

Petronas

XnM2348fStqPI8sx.jpg1992. Der Ölkonzern Petronas beschließt ein Markenzeichen auf dem Planeten zu hinterlassen. Nach sechs Jahren Bauzeit ist es soweit: die höchsten Doppeltürme der Welt werden eröffnet. Gefüttert wurden die beiden Türme mit unzählige Büroräumen und zu ihren Füßen liegt ein Einkaufszentrum, das mit zahllosen Edelboutiquen und einem Buchgeschäft gefüllt ist. Einkaufszentren sind der Herzschlag des modernen Südostasiens, in Kuala Lumpur ist es nicht anders.

Wir spazieren durch den tropisch-schwülen Park vor den beiden Türmen. Sitzbänke, urige Bäume, ein Kinderspielplatz und ein künstlicher Teich bieten sich als Fotomöglichkeiten an. Doch es ist zu heiß. Nur ein paar eingefleischte Foto-Touristen posieren vor den beiden Türmen, während die meisten Leute sich träge im Schatten der Bäume zum Einkaufszentrum unter den beiden Türmen hinschleppen. Wir machen ein paar Fotos und begeben uns zum Sammelpunkt für unsere Turmtour.

IMG_1122Bekleidet mit einem Kopftuch und einem Anzug, alles in dunklem Blau gehalten, führt uns die Tourleiterin in den Hochgeschwindigkeits-Aufzug hinein. Sie erklärt uns, dass der erste Stopp die Skybridge ist. Hier können wir Fotos machen und die Aussicht über die Stadt genießen. Die Brücke ist über zwei bewegliche Elemente verbunden, da sich die Türme einige Zentimeter zu den Seiten neigen können. Plötzlich fühlt man im Kopf, wie sich die Türme bewegen. Schwankend treten wir auf die Skybridge hinaus.

Nachdem die Besuchergruppe die ganze Stadt mehrfach in ihren Smartphones eingefangen hat, geht es hinauf in das Aussichtsdeck. Mehr Fotos werden gemacht. Nach 15 Minuten kommt die nächste Gruppe und unsere Leiterin treibt uns wieder in den Aufzug hinein und jagt uns die 86 Stockwerke hinab. Im Aufzug herrscht betretenes Schweigen. Egal wie oft man es gesehen hat, irgendwie beeindruckt es jedes mal aufs neue, wenn Menschen große Visionen durch das nötige Kleingeld zur Realität werden lassen.

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