Singapur – Regen und Park

Regen

Ich verstehe warum man zu den tropischen Wäldern auch Regenwald sagt. Hier in den Tropen bekommt der Regen eine neue Dimension. Die Tropfen sind keine einzelnen Kugeln, sondern sie gleichen Fäden die vom Himmel hängen. Alles im Freien ist nass. Die Tropfen trommeln auf den Boden, auf das Dach, an die Fenster. Obwohl ich im 5. Stock schlafe und noch zwei Etagen über mir sind, hört man die Trommelschläge der Tropfen. Ich drehe mich um und schlafe weiter.
Gegen Mittag weicht der schwere Regen einem leichteren Nieseln. Ich wage mich außer Haus. Die Straßen dampfen. Der Regen kühlt zwar alles ein bisschen ab, aber die Tropfen fühlen sich immer noch warm auf der Haut an. Hier hilft kein Regenschutz. Besser ist dünne Leinenkleidung die schnell trocknet.
Singapur ist für den Regen ausgebaut. Ich winde mich wie eine Schlange durch die Stadt, wobei ich immer unter Arkaden wandern kann und nur zum Queren der Straße kurz dem Regen ausgesetzt bin. Das Wetter lädt nicht zum Spazieren ein. So mache ich es mir in einem Kaffeehaus mit meinem Buch gemütlich. Ich pendle zwischen Food-Court, Kaffehaus und Buchgeschäft umher, bis es fast 17:00 ist und der Regen aufgehört hat.

Garden by the Bay

xITqAifzDWej3oOT.jpgHinter dem gewaltigen Marina Bay Bau, gibt es eine Parkanlage, die noch gewaltiger ist: die Gardens by the Bay. Hier möchte ich hin. Architekten haben eine riesige Grünfläche entworfen. Tropenhäuser wurden aufgestellt, Wasserfälle geschaffen, Gärten angelegt. Ich schlendere durch die verschiedenen Themengärten: indischer Garten, chinesischer Garten, Kolonial-Garten… Während ich durch diese grüne Welt spaziere, kommt langsam die Sonne hervor und die tropische Schwüle klebt mir das Hemd immer mehr an den Körper.
Ich liebe Gärten. Einfach nur zu wandeln und zu schauen, hat etwas Meditatives, Befreiendes an sich. Schließlich finde ich eine Bank an einem Teich und gebe mich meiner Lektüre und dem Beobachten der Spaziergänger hin.

Marina Bay Sands

FVL8sOA4gpn32Yku.jpgMan kann nicht in Singapur gewesen sein ohne die Marina Bay Sands näher zu studieren. Diese gewaltige Luxusarchitektur kann leicht mit Dubai oder Las Vegas mithalten. Auf einer künstlichen Insel, die die Bucht verlängert, wurden diese drei Hochhäuser aufgerichtet. In den Hochhäusern wurde aller nur erdenkliche Luxus gestopft: Casinos, Theater, 5-Sterne Hotels, Haubenrestaurants. Sogar ein Museum und ein Eislaufplatz fanden neben den teuren Luxus-Boutiquen noch Platz.
Das Besondere ist der Ausblick auf die Skyline von Singapure. Doch diesen Ausblick muss man sich erst erkaufen. Aber ich habe einen Tipp bekommen: Man vermeidet die teure, touristische Aussichtsplattform, indem man einfach in die Hotelbar etwas trinken geht. Das ist nicht nur billiger sondern auch gemütlicher.
Doch das Glück ist heute nicht mit mir. Die Security lässt mich nicht in die Bar, da ich nicht passend gekleidet bin. Weißes Hemd, lange Hose genügen hier nicht. Es müssen auch die passenden Halbschuhe dazu sein.
So ende ich bei den Arsenal-T-Shirt Briten und den Indern auf der Besucherplattform und trinke statt einem Glas Rotwein ein Bitter-Lemon und schlinge einen Hot-Dog herunter, während im Hintergrund, eine Etage höher die Schönen und Reichen den Abend in der Bar zelebrieren. Irgendwie erinnert mich das an die Titanic, besonders da die Plattform die Form eines Schiffes hat.
Aber die „zweite Klasse“ bietet ihre eingenen Besonderheiten. So kann ich ein „Selfie“-Foto vor einem Mann machen, der gerade ein „Selfie“ knipst. Außerdem lichte ich ein verwirrtes Pärchen aus dem Hotel ab, das im Morgenmantel über die Plattform marschiert; zwei Absurditäten, die in der Liga der Reichen und Schönen wahrscheinlich nicht zu finden wären.
Gesättigt und verwirrt von dem ganzen Rummel und den Klassenschichten, begebe ich mich wieder die Türme hinab und marschiere durch die warme, tropische, von klassischer Musik geschwängerte Luft zurück zu meiner Kapsel.

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