Singapur – Die Spuren der Briten

Von Kirchen, Museen, Hotels, Coktails und Essen.

St. Andrews

jRMIJe59wvYQEv8h.jpgIch betrete das Gelände um die Kirche herum und lese die Hinweise auf einer Schautafel. Unerwartet höre ich einen freundlichen Gruß von der Seite. Ich blicke mich um und sehe eine kleine chinesische Dame. Die grauen Haare sind in makellosem Schwarz gefärbt. Das Makeup im Gesicht sitzt perfekt, Rouge, Lippenstift, Wimperntusche. Auch die Kleidung ist makellos. Gedanklich frage ich mich, wie lange sie jeden Morgen wohl zubringen muss bevor sie außer Haus gehen kann.

Ein gerahmtes Namensschild an der Brust, weist sie als freiwillige Mitarbeiterin der Kirche aus. Und dieser Tätigkeit kommt sie auch nach. Sie führt mich durch das Gebäude und erzählt mir alle Details – von der Kirche und von ihrem Leben. Sie stammt von Chinesen und Portugiesen ab, hat die Bombardierung von Singapur und die Eroberung durch die Japaner miterlebt. Sie ist zum Anglikanismus konvertiert, wurde von ihrer buddhistischen Familie raus geworfen. Jahre später sind sie dann alle konvertiert.

Am meisten beeindruckt sie jedoch die weiße Farbe der Kirche, die auch Madras Chunam genannt wird. Die Farbe ist eine Mischung aus Eierschalen, Eiweiß und Zucker. Gemeinsam mit Kokosfasern wird diese Mischung gekocht und auf die Wände gepinselt. Die Farbe gibt den Wänden solch einen dicken Panzer, dass man nicht einmal einen Nagel durch diese Farbe schlagen kann. Sie fragt sich immer wieder, wie viele Eier dafür verbraucht wurden und ich frage mich, wer auf so eine Idee kommt.

Essen

IhUD2AY2QNyzEfev.jpgSingapur ist teuer. Daher isst man am besten in einem der Food-Courts, das sind Plätze, die sich am ehesten mit einem Selbstbedienungsrestaurant vergleichen lassen. Hier merkt man den chinesischen Einfluss der Stadt. Die Gerichte haben Namen wie „Buddha fliegt über die Mauer“ oder „Lotos Dim Sum„. Die Bilder zu den Speisen geben genau so viel Aufschluss wie die Namen. Man kann schwer sagen, ob es Fleisch, Gemüse oder Beeren sind, was man da sieht. Aber meistens sind die Namen der Zutaten gar nicht zu übersetzen, da wir keine deutsche Bezeichnung für diese Dinge haben.

Das Essen das ich bekomme ist eine Mischung aus Nudeln, Gemüse und Hühnerfleisch, die mit Suppe in einer Alufolie eingeschlagen und auf einer heißen Eisenplatte gekocht wird. Der zweite Gang sind zwei weiche, pampige Knödel mit einer undefinierbaren, süßen Füllung. Aber irgendwie reicht es dann doch um den Magen zu füllen und mich für die Museumstour fit zu machen.

Raffles

g0gYgkoDw7mn2VR7.jpgAm Abend steht ein Pflichttermin für jeden Singapur-Reisenden auf dem Plan: das Raffles. Zuerst habe ich nicht verstanden, warum jeder Reiseführer und jede Internetseite davon berichtet, bis ich es selbst gesehen habe. Das Raffles ist der materialisierte Traum eines jeden nostalgischen Abenteurers und Tropenreisenden. Ein viktorianischer Prunkbau in einem tropischen Garten. Rauchersalons, Billardzimmer, Palmen, Springbrunnen, Marmortreppen, Goldluster, sowie ein Inder im Turban und dutzende malaiische Bedienstete im Anzug machen das Bild vollkommen; zumindest wenn man das Raffels von der richtigen Seite aus betritt. Am anderen Ende mussten die Rauchersalons Rolex und Tiffany-Boutiqen weichen. Und die Marmortreppe wurde durch eine Rolltreppe ersetzt.

dttJzXMrdDEytc7H.jpgDoch im ersten Stock wartet das wahre Herzstück des Hotels: die Longbar. Eine Bar aus vergangenen Zeiten: braunes Tropenholz, Deckenfächer, Klaviermusik und Barkeeper in Hemd und Weste die Cocktails mischen. Das ist der Ort, wo man seinen Singapore-Sling trinkt. Während man an seinem Cocktail nippt, rechnet man jederzeit damit, dass ein Brite mit grauem Backenbart, Tropenhelm, Tropenstiefeln und khakifarbenen Kleidern den Raum betritt und einen Gin-Tonic bestellt. Doch die Briten an der Bar sehen anders aus. Sie tragen Arsenal T-Shirts, Shorts in Tarnfarbe und weiße Socken zu ihren Sandalen. Daneben sitzen rudelweise Japaner, die Fotos mir ihren iPhones machen und gleich im Internet posten.

Das einzige was an diesem Ort gleich geblieben ist, sind die Erdnüsse, die man aus Säcken nimmt, schält und die Schale auf den Boden wirft. Nüsse knackend und Cocktail schlürfend habe ich jedoch hier den richtigen Ort gefunden um mein Notizbuch mit den heutigen Eindrücken zu füllen.

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