Korea Tag 1 – KIA, Kimchi und Klimaanlage

Die Glastüren öffnen sich automatisch. Wir treten in das Freie hinaus. Überall sieht man große, bleiche Asiaten im Anzug und Mantel herumhuschen. Incheon-Airport. Wenn man spricht bildet der Atem Wolken vor dem Mund. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mich jemals über ein kaltes Land freuen werde. Aber die frische, kühle Luft ist eine unbeschreibliche Wohltat, nach zwei Monaten tropischer Schwüle.

Schlafen oder nicht schlafen, das ist hier die Frage

Graf DrakulaUnsere fleißigen thailändischen Reiseführer treiben uns zum Bus. Die ganze Truppe leidet noch unter dem Schlafmangel, den ein Nachtflug inklusive Zeitverschiebung mit sich bringt. Eigentlich ist es 4:00 in Bangkok-Zeit, trotzdem haben die meisten Thai-Damen, während sie auf das Gepäck warten, schnell mit Taschenspiegeln das Make-Up aufgefrischt, den Lippenstift nachgezogen und die Wimpern nachgefärbt. In schleppendem Tempo fädelt sich der ganze Tross in den Bus ein, nur um auf den Sitzplätzen weiterzuschlafen. Auch ich freue mich auf meinen Schlaf-Sitz.

Doch lange währt der Schlaf nicht. Unsere Busreise-Führerin beginnt sofort pflichtbewusst mit leiser, monotoner Stimme ihre Ansprache, die immer wieder von einem verhaltenen, schüchternen Lachen unterbrochen wird. Blöderweise hat uns niemand gesagt, dass die Reiseleitung nur auf Thai ist; ein kleines, aber doch wichtiges Detail. So packe ich meine Ohrstöpsel aus um mich akustisch abzuschirmen. Das Fieber liefert den Rest und schon bald schlummere ich ruhig vor mich hin.

KIA Motors

Der RednerUnser erster Stopp ist KIA. Nach einem Propaganda-Clip, der keine Informationen enthält, sondern nur erklärt, wie toll KIA ist, gibt es einen Rundgang durch das Werk. Riesige Maschinen pressen aus Stahlplatten die Teile für den Rahmen. Roboter fügen die Teile zu einem Auto zusammen. Zwischendurch sieht man immer wieder einzelne Arbeiter, die irgend ein Teil nehmen, auf das Förderband huschen, in das Auto kriechen, das Teil anschrauben und wieder aus dem Förderband springen und die geförderten Kilometer zurück laufen, wo schon das nächste Auto auf sie wartet. Als Dankeschön für den Besuch bekommen wir ein KIA-Modellauto.

Die Lektion von diesem Werk. Alle paar Minuten kommt ein fertiges Auto aus der Fertigungsstraße heraus. Es gibt fünf Fertigungsstraßen. Somit kann auch der reichste Mensch der Welt maximal 150 KIA innerhalb von einer Stunden kaufen. Auch wenn er mehr Geld hat und mehr bieten würde, das natürliche Maximum wurde erreicht. Interessant darüber nachzudenken…

Korea Pur: Kimchi & Hanbok

KimchiköchinNach dem Mittagessen werden wir ins Kimchi-Land geschickt. Ein grausiges Kellerloch, wo man friert. Die Reiseleiterin hat uns erklärt, dass es im Haus sei; das stimmt. Nur das Detail, dass das Haus nicht beheizt ist, wurde wieder vergessen. So stehen wir frierend im Kimchi-Keller. Ein stolze koreanische Matrone erklärt uns was Kimchi ist. Die Reiseleiterin übersetzt es uns auf Thai. Später erklärt mir Wikipedia, dass Kimchi konservierter Kohl ist. Der Kohl wird mit Salz eingerieben um ihn haltbar zu machen. Da gepökelter Kohl langweilig schmeckt, haben die Koreaner dem Salz noch eine Unmenge anderer Gewürze beigemengt. So ist Kimchi Kohl, wo jedes Blatt mit einer roten Pasta bestrichen wurde. Und genau das dürfen wir jetzt machen. Kohlblätter mit einer roten Creme bestreichen. Davor müssen wir jedoch ein Schnapsglas voll Milch mit Ginseng trinken, erst dann dürfen wir uns an die heilige Arbeit machen.

Nachdem wir Kimchi produziert haben, geht es einen Stock höher. Hier ist es nicht mehr ganz so kalt. Jetzt sind wir im Hanbok-Land angekommen. Hanbok wird die klassische koreanische Tracht genannt. Verkleidet in bunten Polyesterkostümen machen wir Korea-Fotos. Schräg, aber erheiternd.

Geschichte und Film – oft schwer zu trennen

Im PalastDer nächste Stopp ist ein Filmset von einer berühmten koreanischen TV-Serie: »Sword and Flower«. Das Set ist ein altes koreanisches Dorf, das Gelegenheit für einen Spaziergang und eine Fotosession bietet.

Der letzte Stopp ist ein kurzer Spaziergang entlang der Hwaseong-Festung in der Stadt Suwon. Es fällt sofort auf wie gepflegt und restauriert diese Sehenswürdigkeit ist. Keine Hotels und Straßen wurden hier gebaut. Keine Steine werden als Souvenirs verkauft. Stattdessen steht die riesige Anlage in voller Pracht und prächtiger Beleuchtung hier, als hätte die Zeit keine Spuren hinterlassen. Genau genommen fällt es uns schwer, einen Unterschied zwischen dem Filmset und dieser Festungsanlage zu erkennen. Würde man nicht von Hinweisschildern auf den Hintergrund hingewiesen, könnte man das historische Bauwerk leicht mit dem künstlichen vertauschen.

Heizen und Kühlen

Schlussendlich kommen wir in unserem Hotel an, wo uns wieder hochgewachsene, bleiche Männer in Anzug und Mantel empfangen und unser Gepäck ausladen. Koreanische Häuser haben eine Besonderheit auf die sie stolz sind: Fußbodenheizung. In Korea werden alle Gebäude nur über den Fußboden geheizt. Nur die Wärmeregulierung ist nicht nach europäischem Verständnis geregelt. Jeder Raum wird pauschal auf 29° geheizt. Da das zu warm ist, gibt es eine Klimaanlage mit der man den Raum auf die gewünschte Temperatur abkühlen kann. Oder man öffnet einfach die Fenster. Ohne lange zu überlegen welche Variante schlechter ist, falle ich einfach auf das weiche Bett und genieße meinen wohlverdienten Schlaf.

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