Ayutthaya – Wat Phanan Choeng

Ayutthaya

Ayutthaya ist die alte Königstadt von Thailand. Folgt man von Bangkok aus dem Fluss Cho Phraya knappe 50km nach Norden, kommt man zu der Stelle, wo der Fluss Pa Sak in den Cho Phraya mündet. Der Zusammenfluss der beiden Flüsse bildet eine Insel und somit einen natürlichen Schutz vor feindlichen Angriffen. Daher wurde an dieser Stelle vor knappen sieben Jahrhunderten, als in Europa die Pest wütete und wütend Kloster gegründet wurden, der Grundstein für Ayutthaya gelegt. Nach der endgültigen Zerstörung durch die Burmesen 400 Jahre später, siedelte das Königshaus nach Bangkok über, bis dahin war Ayutthaya jedoch das kulturelle und politische Zentrum von Siam.

Ausgrabung1981 wurden die historischen Überreste von Ayutthaya durch UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Seit ein paar Jahren spielt man jedoch mit dem Gedanken, Ayutthaya diesen Status wieder abzuerkennen, da sich die Thai nicht sonderlich um die Erhaltung und Restauration der Ruinen kümmern. Viele Steinhaufen fristen neben Hotelanlagen und anderen privaten Grundstücken ihr Dasein. Kein Schild weist auf sie hin, kein Fremdenführer verzeichnet sie, nur die Steindiebe plündern sie. Andere antike Bauten wurden dagegen einfach neu aufgebaut, in bunten Farben gestrichen und mit dem Bild des Königs versehen.

Alles in allem ist Ayutthaya ein Pflichtbesuch für jeden kulturell interessierten Reisenden, den es nach Thailand verschlägt. Gleichzeitig ist Ayutthaya aber ernüchternd und enttäuschend. Man würde sehr viel Phantasie benötigen um sich die alte Pracht dieser Stadt vorzustellen: die nicht geordneten und nicht beschriebenen Steinhaufen, sowie die Hotels, Händler und der dem im Bangkok ähnliche Verkehr, erschweren einem jedoch diese Aufgabe und lassen einem mehr verwirrt als bereichert zurück.

Neue Kleider für Buddha

BuddhaMit einem kleinen Boot überqueren wir den Cho Phraya. Außerhalb der alten Insel gibt es einen speziellen Tempel: Wat Phanan Choeng.

Der Tempel vermischt chinesische mit thailändischen Elementen. Der Legende nach soll sich eine unglückliche chinesische Prinzessin hier das Leben genommen haben. Sie kam nach Ayutthaya um den König zu heiraten. Dieser war jedoch an ihr nicht interessiert. So soll sie sich an Ort und Stelle erdrosselt haben. Chinesen sollen ihr hier zuerst einen Schrein erbaut haben, der im Laufe der Jahre zu einem vollständigen Tempel ausgebaut wurde. Durch diese Vermischung zweier Kulturen gibt es einen klassisch buddhistischen Tempel, vor dem diverse chinesische Priester Geister austreiben, die Zukunft voraussagen und das Unglück verscheuchen. Aber genau deswegen kommen viele chinesisch-stämmige Thai aus ganz Thailand zu diesem Ort.

Wir haben Glück. Ohne zu planen werden wir Augenzeugen einer besonderen Zeremonie: die Buddha-Statue wird neu bekleidet. Im Ubosot, das ist der innere Raum einer Tempelanlage, vergleichbar mit dem Altarraum einer Kirche, haben sich dutzende Gläubige eingefunden um die 19m hohe Buddha-Statue neu zu bekleiden.

Die goldene Statue thront in dem hohen Raum. Apathisch sitzt Buddha in einem halben Lotussitz. Eine Hand ruht in seinem Schoß, die andere sinkt über sein Knie zu Boden. Auf seinen Beinen laufen Tempelangestellte herum, die sich um die Bekleidung kümmern.

StoffbahnenDie Gläubigen kaufen safrangelbe Stoffbahnen, die ein Tempelangestellter geschickt den anderen Angestellten zuwirft, die auf der Statue herumturnen. Ohne seinen Blick von den knienden Gläubigen abzuwenden, wirft er mit einer sichelförmigen Armbewegung die Stoffbahn hinter sich nach oben. Er trifft immer exakt. Die präzisen Bewegungen lassen einem erstaunen.

GläubigenheerNachdem alle Stoffbahnen nach oben geworfen wurden, binden die Tempelangestellten die Enden an ein Seil fest und ziehen die Stoffbahnen über die Schulter der Statue. Dabei hängen die losen Enden auf die kniende Menge herab. Tief berührt wickeln die Gläubigen ihren Kopf in die Stoffbahnen ein und warten, bis die Tempelangestellten die Bahnen von ihnen weg auf die Statue hinauf ziehen.

Mit meiner Kamera im Anschlag stehe ich in der hinteren Ecke im Raum und versuche alle Einzelheiten zu dokumentieren, während ich mich wundere, was Menschen an solchen Zeremonien bloß finden können.

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