Eine Nacht in Habana

Alex

Der Flug hatte Verspätung. Dafür traf ich einen interessanten Typen am Flughafen: Alex. Einen Schweden, der schon seit über einem Jahr durch Südamerika reist. Sein Vater hat ihm einiges vererbt, außerdem besitzt er eine Wohnung, wo er monatlich ein bisschen Miete kassiert. Ein paar Monate hatte er aus Interesse versucht ohne Geld zu leben und sich von Essensresten ernährt – nicht so ganz meine Art zu reisen. Seine Aufmachung verrät, dass er den Hippies zuzurechnen ist. Sei Blick zeigt, dass er zuviel bewusstseinsverändernde Substanzen zu sich genommen hat.

Security-Check

Während wir auf das Boarding warten, kommt ein spezieller Durchsuchungstrupp mit Drogenhunden. Sie greifen auffällige Passagiere heraus und durchsuchen sie. Ich werde durchsucht, Alex nicht. Warum das? Was glauben die Mexikaner? Ich trage meine Bügelfaltenhose, ein weißes Hemd und habe ein Jackett und einen Hut in der Hand. Sehe ich suspekt aus, oder glauben sie ich sei ein Agent?

Bei der langen Einreiseschlange am Flughafen in Habana treffen wir uns wieder. Beim Bordercrossing haben wir uns wieder verloren. Diesmal haben sie ihn auserkoren. Auch 30min warten bringt nichts. Er bleibt verschwunden. Schade…

Habana Vieja

Mit dem Taxi geht es nach HABANA VIEJA. Welcome to the 3rd-World. Allein schon bei Tage wirken die Straßen einschüchternd: alles ist heruntergekommen. Alte Häuser. Schlaglöcher. Leute in T-Shirts und Flip-Flops.

Noch mehr erschreckt mich da das Hotel und der Service. Ein alter Kolonialbau. Perfekt restauriert. Alles aus Marmor. Palmen stehen herum. Ein Cubaner im weißen Hemd und mit Fliege trägt meine Koffer ins Zimmer.

Lyoness

Hungrig ging ich auf die Straße und lief einem Schlepper in die Arme – Lyoness, so sein Name. Das Restaurant in das er mich gebracht hatte war spitze. 4. Stock. Dachterrasse. Hier soll schon Hemingway gesessen haben. Während ich meine Paella esse und meinen Mojito schlürfe, spielt eine Band Salsa.

Ich lade meinen Schlepper auf einen Cocktail ein, er mich auf einen weiteren. Dann bringt er die Idee vor, in ein Salsa-Lokal zu gehen. Wie kann ich da widerstehen? Auf der Straße treffen wir noch eine Gruppe Franzosen. Gemeinsam pilgern wir im Laternenschein zum vermeintlichen Salsa-Lokal.

Das Salsalokal hat sich dann als eine Diskothek entpuppt. Eine Laute Diskothek. Ich muss mir die Ohren mit Toilettenpapier zustopfen, damit es nicht zu sehr schmerzt. Trotzdem dröhnt die Lautstärke noch richtig in den Ohren. Zusätzlich gab es eine Brake-Dance-Show, dafür keine Tanzfläche aber überall Tische und Stühle, so wie man es von einem Film aus den 70ern kennt. Überstylte Cubanerinnen standen vor ihren Tischen und tanzten zur Musik, während die Freunde von ihnen am Tisch saßen und Zigarre rauchten.

Das Lustige Paar

Um 2:00 war mir der Schlaf dann doch wichtiger als die komische Diskothek. Lyoness blieb noch da. Er verstand nicht, warum ich schon so früh ging. Auf der Straße quatschte mich schon das nächste Paar an. Sie eine Ballerina, er ein Security von einem Hotel. Sie soll eine Schwester in Österreich haben, die im Floridita in Wien arbeitet. (Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr sicher, ob sie das Lokal namentlich erwähnt hat, oder ob sie ein Lokal in der Hauptstatt gesagt hat, worauf ich den Namen gesagt habe und sie zugestimmt hat…). Wir kamen immer weiter ins Gespräch, sie lud mich ein morgen in ihr Lokal zum Salsa tanzen zu kommen. Die Einladung gab sie mir schriftlich, auf einer Serviette. Dazu kehrten wir drei noch in eine komische Spelunke ein um einen weiteren Cocktail zu trinken. Das Lokal war eine Bruchbude, die mit alten Holzstühlen vollgestellt war, blaue Wände hatte und eine einsame Bar in der Mitte aufweisen konnte.

So am Tisch erzählten sie mir von Cuba und den Sehenswürdigkeiten, die ihr Freund ganz eifrig mit einem stumpfen Bleistift auf die Hinterseite der Serviette schrieb. Beim letzten Punkt kam er auf die Zigarren zu sprechen. Zigarren bekommt man in Cuba in Fabriken, oder bei den sogenannten Kooperativa – kleine Hausläden, die eine bestimmte Menge zu bestimmten Tagen verkaufen dürfen. Da der Koop nur einmal im Monat geöffnet hat, und das ausgerechnet heute, wäre es DIE Gelegenheit jetzt noch Zigarren zu kaufen. 18CUC die Packung. Da das so extrem günstig ist, ich sowieso Zigarren als Souvenir mitnehmen möchte, und ich einige Cocktails getrunken habe, scheint mir ihr Angebot und ihre Argumentation vernünftig.

Nur hatte ich in weiser Voraussicht nur noch 10CUC in der Tasche. Kein Problem sagen sie. Ich zahle einfach die 10CUC jetzt, sie begleiten mich zu meinem Hotel, wo ich ihnen dann die restlichen CUC gebe, die sie dann bezahlen. Pedro – der Security – bürge mit seiner ID für mich beim Händler. Während er den Deal abwickelt bedankt sich seine Freundin bei mir, denn sie bekommen Essensmarken für die verkauften Zigaretten.

Nachtmarsch durch Habana

Als wir uns aufmachen wollen, wird mir klar, dass sie damit rechnen, dass ich die Zeche im Lokal begleiche. Nur habe ich genau 0.0CUC in meiner Tasche. Und schon geht es rund. Der Kellner beginnt zu schreien, dass ich lüge, ich habe ja soeben Zigarren um 80CUC bezahlt und soll jetzt kein Geld haben. Pedro springt auf und schreit den Kellner an, dass das nicht stimmt. Erklärt ihm, dass sie mich zum Hotel begleiten, wo ich ihnen die restlichen 70CUC gebe. Ich werde bleich, da ich merke, dass die Zigarren doch nicht so billig, sondern extrem teuer waren. Der Kellner und Pedro schreien sich gegenseitig an, bis sie plötzlich eine Idee haben. Der Wirt soll doch einfach mit zu meinem Hotel kommen, da kann ich dann noch die Zeche begleichen. So kommt es, dass der Wirt, der Security und die Ballerina, gemeinsam mit mir um 3:00 durch Habana zu meinem Hotel laufen um die restlichen Pesos zu bekommen. Absurd. Wirklich Absurd.

Bilanz

Ich sitze hier vor meinem Hotelzimmer und ziehe Bilanz. Ohne es richtig zu merken habe ich innerhalb eines Abends €150 ausgegeben, mit 6 verschiedenen Leuten zusammen Cocktails in 4 Lokalitäten getrunken und als Nichtraucher Zigarren um ca. €80 gekauft. Cuba ist wirklich, wirklich schräg. Ich bin schon gespannt, was mich morgen erwarten wird, bzw. wie mir morgen die Cubaner versuchen die Pesos aus den Taschen zu ziehen.

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