Chichén Itzá

Day-Trip

Mit Mühe und Not habe ich zu meiner Busgruppe gefunden. Sie haben mich vergessen beim Hotel abzuholen. Aber Handy sei Dank, habe ich sie dann doch gefunden. Wir waren eine lustige Gruppe. Eine ältere Dame aus Atlanta, die einen kurzen Abstecher nach Mexiko gemacht hatte. Ein alter Herr aus der Schweiz, der für die UNO gearbeitet hatte. Ein junges Paar aus Venezuela, das zum ersten mal im Leben ins Ausland gefahren ist. Eine Kanadierin und eine Texanerin, die gemeinsam mit dem Rucksack reisen. Sowie ein Australier, der für die Regierung Drogen analysiert.

Auch unser Tour-Guide – Ruben – war sein Geld wert. Ein richtiger sanguinischer Entertainer. Während wir mit dem Bus nach Chichén Itzá fahren, klärt er uns über die Maya auf.

Die Maya

Kalender2.000.000 Millionen Maya leben heute noch im Dschungel auf der Halbinsel Yucatan. Sie bewahren ihre Kultur und ihre Sprache. Als die Spanier ankamen waren die Maya eine Steinzeitkultur. Daher konnten sie einfach von den Europäern mit ihren Pferden und ihren Stahlwaffen besiegt werden; zumindest die Maya die in den Städten lebten. Die kleinen Dörfer im Dschungel überlebten, denn abseits der großen Wege hatten die Spanier keine Chance mit ihren Pferden durchzukommen. Auch ihre netten Stahlrüstungen waren nicht für die tropische Hitze gemacht. Das ist Ironie des Schicksals. Die großen Maya-Städte mussten dran glauben, die kleinen Dörfer überlebten bis heute.

Die Maya hatten Obsidian als Werkzeug. Dieses Vulkanglas war stabil genug um Sandstein zu behauen. In der Sonne glitzert es auch noch schön golden. Das Glitzern lockte die Conquistadores natürlich an, aber enttäuschte sie auch, denn auf Yucatan gab es kein Gold für sie.

Obwohl es einige Maya-Sprecher gibt, können nur noch wenige Maya lesen oder schreiben. Leider gibt es auch nur noch 3 Maya-Bücher. Die – welche Ironie – in Paris, Madrid und Dresden aufbewahrt werden. Denn die Spanier verbrannten diese dämonischen Zauberbücher sofort nach der Christianisierung. Nur ein paar »heidnische« Forscher nahmen die drei Bücher mit und bewahrten sie so für uns.

Kaufen, Kaufen

ObsidianDer erste Stop an diesem Tag war eine richtige Touristenfalle. Unser Bus macht an einem »original Maya-Laden halt«. Hier gibt es Plastikhängematten aus China und anderen billigen Kram. Aber immerhin kann man ein Cola trinken.

Der nächste Halt ist Chichén Itzá. Unser Führer – ein Archäologe – ist ein richtiger Maya-Profi und beantwortet alle unsere Fragen.

Chichén Itzá

Pyramide 2Chichén Itzá hat eine Fläche von ca 16 Quadratkilometer. (Nachdem ich jetzt zehn Minuten versucht habe einen Größenvergleich zu erstellen aber nichts gefunden habe, ist es am besten, ihr stellt euch ein Quadrat mit 4km Seitenlänge vor 😉 ) In der Blütezeit sollen knappe 100.000 Einwohner dort gewohnt haben. Chichén Itzá war die Hauptstadt des Maya-Königreiches und herrschte über 5 Provinzen in Mittelamerika.

Das Zentrum ist die große Pyramide. Vor der Pyramide befindet sich ein steinerner Platz in derselben Größe. Will man sich gedanklich in die Vergangenheit versetzten, muss man sich die Gebäude bunt bemalt vorstellen. Der Plaza ist voll von Maya. Vor ihnen steigt der König mit einer Fackel einsam die Treppen der Pyramide hinauf. Immer im Zick-Zack, da die Stufen so steil sind. Oben zieht er sich zurück und meditiert, betet und bereitet sich auf seine Rede vor. Zum richtigen Zeitpunkt tritt er vor dem Publikum auf und hält seine Ansprache. Durch die akustischer Wirkung des freien Platzes, der umliegenden Gebäude kann jeder auf dem Platz den König sprechen hören. Den Höhepunkt der Rede liefert ein Himmelsphänomen, das die Astronomen genau berechnet haben. So glauben alle an die göttliche Macht des Königs

Menschenopfer

Kopf abDie Maya in Chichén Itzá waren Intellektuelle. Sie Opferten keine Menschen. Nur das eigene Blut wurde als Opfer gebracht, indem man sich die Zunge, die Ohren oder den Penis durchstach. Um das Jahr 900 wurden die Menschen jedoch ungläubig. Man vertrauten den König und seinen Intellektuellen nicht mehr. Man fürchtete sich vor Feinden und vor allem möglichen. Darum schlossen die Herrscher eine Union mit den Tolteken – einem Stamm von Kriegern. Auch sie zogen nach Chichén Itzá und sorgten für die Sicherheit.

Da die Tolteken an dieselben Götter glaubten, war die Union kein Problem. Nur beteten sie ihre Götter anders an. Der Sonnengott musste jeden Tag mit einem Herz gefüttert werden, das Herz eines feindlichen Kriegers. Dabei wurden keine Schwachen, Sklaven, Frauen oder Kinder geopfert. Der Tod selbst wurde von einem »Fachmann« durchgeführt. Da der Sonnengott nur ein Herz fraß, das noch pumpte, musste das Herz innerhalb weniger Sekunden aus dem Opfer geschnitten werden. So war der Tod nur eine Frage von Sekunden. Ganz anders als beim »All-Inclusive-Programm« im alten Rom. – So versucht uns der Führer die »menschlichkeit« der Maya näher zu bringen. Aber ganz gelingt es ihm nicht.

Ballspiel

TorDie Maya waren ganz verrückt nach ihrem Ballspiel. Ähnlich der südamerikanischen Begeisterung für Fußball. Nur dass das Maya-Ballspiel – Ulama – anders gespielt wurde. Das Spielfeld wirkt wie ein langer breiter Gang, der von zwei Mauern eingesäumt wird. Von der einen Mauer zur anderen wurde eine Markierung gezogen, die das Spielfeld in zwei Hälften teilte. Wo die Markierung die Wand berührte, war in vier Meter Höhe ein Steinring an der Wand angebracht.

Auf jeder Spielhälfte marschierten sieben Krieger in Galauniform auf, geschmückt mit Federn, bemalt mit Farben und verziert durch Piercings und Tätowierungen.

Das Ziel des Spieles war es einen kleinen Ball wie beim Tennis hin und her zu spielen und schlussendlich durch einen der beiden Ringe zu bekommen. Dabei durfte der ganze Körper als Schläger verwendet werden, die Schultern, die Knie, die Hüfte, etc. Manchmal gingen die Spiele bis die Sonne unterging, ohne dass jemand durch den Ring traf. Dann wurde am nächsten Tag das Spiel fortgesetzt, bis eine Mannschaft gewann.

Nach dem Sieg wurde dem Kapitän der Verlierermannschaft der Kopf abgehackt. Ganz im menschenfreundlichen Maya-Stil. Wobei uns der Fremdenführer aufklärt, dass dies für einen ausgebildeten Krieger nicht so schlimm sei und so übrigens die überschüssige Energie der Soldaten in Friedenszeiten abgebaut werden kann. Mir scheint, dass ein Fußballspiel heute ähnliche Stammes-Kriegerische Züge aufweist.

Wandern

HändlerNach der Führung durch Chichén Itzá haben wir noch ein paar Minuten Zeit das Areal auf eigene Faust zu erkunden. So mache ich mich auf den Weg zu einer Wassergrotte und zu der berühmten Sternwarte. Allerdings ist man nie alleine. Andauernd versuche einem die Maya chinesische Souvenirs zu verkaufen. Ich bekomme langsam einen Zorn auf den Typen, der diesen chinesischen Plunder importiert und den armen Leute hier einredet, sie könnten sich ein bisschen etwas dazuverdienen.

Mit einem kleinen Abstecher zu einer Höhle beenden wir den beeindruckenden Ausflugstag.

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